Ein Kännchen Kaffee musste man sich leisten können.
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Ein Kännchen Kaffee musste man sich leisten können.

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Kännchen

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Reich genug und alt genug für viele Kännchen Kaffee? Praktisch verändert sich die Welt zu schnell, um viel davon zu haben.

Wer jetzt wieder auf die Idee kommt, dass früher doch alles besser war, sollte auch sofort an Monchichis denken und das Thema wechseln. Oder zumindest nicht generalisieren. Denn eigentlich ging es um ein Kännchen Kaffee. Der Herr am Nebentisch hätte gerne ein Kännchen Kaffee bestellt, fügte aber melancholisch hinzu, dass es das wohl nicht gebe. So war es dann auch. Sein Begleiter nahm, ohne mit der Wimper zu zucken, einen Iced Macchiato vegan.

Über die Volten der Kaffeekunst sind schon alle erforderlichen Späße gemacht worden, aber wie das Kännchen dabei ins Hintertreffen geriet, fällt selten auf. Im Gegenteil ist es so, dass die Wendung „draußen nur Kännchen“ den Jugendlichen von einst das Leben schwer machte. Ein Kännchen Kaffee musste man sich leisten können. Kellner, die arme, laute Schülerinnen und Schüler von Natur aus nicht leiden können, waren wie die Wächter vor der Himmelspforte.

Nur wenige Tage später verglich eine Kollegin das Äußere eines Fußballspielers mit dem eines Eintänzers. Sieht man davon ab, dass der Fußballspieler nur auf den allerersten, unaufmerksamen Blick mit einem Eintänzer zu vergleichen ist, zeigte sich bei dieser Gelegenheit, dass beide anwesenden Frauen immerhin präzise Vorstellungen vom Äußeren eines Eintänzers hatten. Sie unterhielten sich dann noch eine Weile über die Tanzstunde, eine unangenehme Affäre, bei der man fähige Eintänzer gut hätte brauchen können. Ein Eintänzer hat in der Tanzschule jedoch so wenig zu suchen, wie eine Oberstufenschülerin im ersten Café am Platze. Ein paar Dinge im Leben gibt es nur für Geld und ab einem bestimmten Alter. Darum ist es theoretisch nicht so übel, reich und alt zu werden. Praktisch verändert sich die Welt aber zu schnell, um viel davon zu haben.

Wie erfreulich wäre es heute, täglich drei Kännchen Kaffee zu bestellen. Vier. Wohingegen sich der Bedarf an Eintänzern nur in bestimmten Kreisen erhalten hat. Auf Kreuzfahrten soll es ihn noch geben. In der Tanzschule gab es nur den vor Verlegenheit kringeligen Altersgenossen, der die (natürlich erfolgreiche) Bitte um den gemeinsamen Besuch des Abschlussballs mit der Überreichung eines Monchichis verband. Wer hat ihm nur dazu geraten, dem Unglückswurm?

Typisch unterm Strich, dass ausgerechnet die Monchichis die Jahrzehnte wohlbehalten überstanden haben. Nutzer fragten, ob man sie waschen kann (kann man, „allerdings sind sie nach dem Waschen nicht mehr so pelzig, sondern haben Knötchen“), aber auch, wie viel ein Monchichi wert ist. Es ist nie zu spät, ein Monchichi zu Geld zu machen und sich dafür Kaffee in der Menge von drei Kännchen zu kaufen!

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