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Kabinengespräche im Faktencheck

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Von: Sylvia Staude

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Er posaunte in Umkleidekabinenstimmung heraus, was er von Frauen hält: Donald Trump.
Er posaunte in Umkleidekabinenstimmung heraus, was er von Frauen hält: Donald Trump. © REUTERS

Wir wissen nun, worüber Männer in Umkleidekabinen sprechen. Und Frauen? Die reden im Fitnessstudio über das neuste Buch von Sloterdijk.

Ohne es darauf anzulegen, ja ohne auch nur im mindesten neugierig zu sein, hat die eine Hälfte der Menschheit in diesen Tagen erfahren, worüber die andere Hälfte der Menschheit, nämlich Männer, in Umkleidekabinen redet und wie sie es formuliert (Transsexuelle mögen an dieser Stelle entschuldigen, dass sie ausgeschlossen bleiben. Aber sie haben auch wirklich nichts verpasst). Jugendfrei zusammengefasst: In Umkleidekabinen – der Ort scheint bedeutsam zu sein für Vertraulichkeiten dieser Art – sprechen Männer über Frauen.

Nicht über das gleich beginnende oder gerade glücklich gewonnene Fußballspiel, wie man als Laie vielleicht meinen könnte. Nicht über die schmerzende Wadenmuskulatur, die im Schritt kneifende Hose oder die Dusche, die einfach nicht richtig heiß werden will. Auch nicht über die Vorfreude auf ein Feierabendbier – über Frauen. Das schmeichelt uns, irgendwie. Andererseits müssen wir uns hier auf die Aussage eines Mannes verlassen, der ganz allein etwa 50 000 US-amerikanische Faktenchecker in Lohn und Brot hält. Und der womöglich von sich auf andere schließt.

Trotzdem ist das eine gute Gelegenheit, unseren männlichen Lesern zu enthüllen, worüber Frauen in Umkleidekabinen reden. Als eifriges Mitglied eines „Lady Fitness“-Clubs verfügen wir über Erfahrung. Und man kann uns jedes Wort glauben.

Kürzlich ging es: Um das jüngste Buch des Philosophen Peter Sloterdijk, einen Roman über, Achtung!, Erotik, Frauen und „luxurierende weibliche Sexualität“. Um die Frage, ob eine luxurierende weibliche Sexualität erstrebenswert oder nur teuer ist und ob sie durch die Ausübung von Sport befördert wird. Oder ob dieser einfach nur müde macht. Um die Einsamkeit des Astronauten im All. Um die neuesten Erkenntnisse der Raumfahrt, auch bezüglich des Merkurs, und wie wahrscheinlich es ist, dass es auf anderen Planeten ähnlich intelligentes Leben gibt wie auf unserem. Und ob es eigentlich richtig ist, im Zusammenhang mit den Lebewesen auf unserem Planeten, Anwesende ausdrücklich eingeschlossen, über „intelligentes Leben“ zu sprechen. Aber wie es denn wirken würde – so uns tatsächlich Aliens belauschen –, bezeichneten wir uns selbst als „dummes Leben“.

Als man sich dann auf den Heimweg machte, war man sich allerdings einig, dass es die bloße Behauptung, wir seien intelligent, im Zweifelsfall auch nicht rausreißen würde – falls die Erde etwa einem intergalaktischen Fitnessclub mit Sternennebelsauna im Weg stehen sollte. Denn bestimmt gibt es auch unter den Außerirdischen Faktenchecker.

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