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Auf den sogenannten Fahrgeschäften kreischen die Mädchen.

Times mager

Früher war selbst das Wetter besser

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War das Wetter hier früher nicht besser? Nachdenkliche Momente bei der Rückkehr in die Stadt von einst.

In der Stadt von einst fängt es jedes Mal an zu regnen, wenn du auf die Straße trittst. Jedes Mal. Du trittst auf die Straße, und es fängt an zu regnen. Dabei ist es allgemein gar nicht regnerisch. Von drinnen sieht es sogar überwiegend so aus, als wäre es ziemlich unwahrscheinlich, dass Regen fällt. Abwegig.

Oder zu schneien. Manchmal trittst du auf die Straße, und es schneit. Im Mai. Nur kurz zwar, dann geht das Ganze in Regen über. Aber zuerst Schnee. Im Mai. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, auf dem riesigen Juxplatz, versinken die Wohnwagen der Schausteller im Morast, während die Mädchen auf den sogenannten Fahrgeschäften kreischen.

Hat es in der Stadt von einst je geregnet damals? Geschneit, ja. Geschneit hat es anfangs, und nicht zu knapp. Dann ging das Ganze in Frühling über, und bald saß man nur noch draußen, an langen Tischen, ein Bach floss vorbei, man schaute ins Grüne und saß draußen, ein monumentales Glas Bier auf dem langen Tisch vor sich und einen Haxen eventuell. Oder einen Obatzdn. Aber auf jeden Fall ein monumentales Glas Bier. Und eine Brezn.

Jetzt schaust du aus dem Fenster auf den Juxplatz, der weltbekanntermaßen im September im Morast versinkt, ob es regnet oder nicht, den Morast machen sich die Leute schon selber, da brauchst du keine Bange haben. Die Welt denkt zwar generell, der große Juxplatz macht erst im Oktober auf, aber ein Schmarrn, September. Sie ahnt auch nicht, dass es da schon im Mai einen zusätzlichen Jux gibt, die Welt.

In der Stadt von einst bist du damals überhaupt nicht auf die Idee gekommen, zum großen Juxplatz zu gehen, weil du da gar keinen September und keinen Oktober hattest. Du hattest einen November und so weiter, und im Juli warst du schon wieder weg, und was gelernt hattest du auch. Ohne Juxplatz.

Gestern Abend saßen die Mädchen in einer Reihe auf dem haarsträubenden sogenannten Fahrgeschäft. Der Apparat wirbelte alle zehn oder zwölf Mädchen durch die Luft, dass sie kreischten, und dann ließ er sie kopfüber hängen, direkt über einer passenden Reihe von Wasserfontänen. Die Mädchen mit den langen Haaren hatten anschließend einen nassen Kopf.

Darüber lässt sich jetzt sinnieren, während die Sonne aufgeht, während im Hotelzimmer nebenan seit einer Dreiviertelstunde ein Wecker summt und dudelt, während der Besitzer des Weckers, wie schon die ganze Nacht, schnarcht.

In der Stadt von einst hast du was gelernt, aber die Auswahl des besten Hotelzimmers war nicht im Lehrstoff. Wenigstens sieht es draußen nicht nach Regen aus.

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