1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Jever kapituliert

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Bernhard Honnigfort

Kommentare

Jever soll sauberer werden: Krähen sollen nun die Kippen aufsammeln.
Jever soll sauberer werden: Krähen sollen nun die Kippen aufsammeln. © Imago

In der friesischen Stadt Jever sieht man sich Heerscharen von nicht dummen Vögeln gegenüber.

Unbemerkt im Trubel der Welt und völlig überdeckt von der medialen Berichterstattung über die fortwährende öffentliche Selbstverstümmelung führender deutscher Sozialdemokraten musste die stolze Stadt Jever dieser Tage eine Kapitulation verkünden. Der unerbittliche und siegreiche Feind ist die Saatkrähe. Der Vogelkenner schätzt ihre Geselligkeit und Intelligenz sowie das häufige „Krahkrah“, der Bürgermeister von Jever tut das eher nicht. 650 Saatkrähen schätzen die bald 500 Jahre alte friesische Stadt als gemütlichen Lebensraum, sitzen dort gerne auf Bäumen, bauen Nester, unterhalten sich laut und scheiden Dinge aus, die auf Autos landen.

Im Rathaus wertete man derartiges Tun als Kriegserklärung und begann kleine Attacken gegen das Krähenheer. Seit 2013 half alles nichts, dieses Jahr wollten die Jeveraner mit Hightech angreifen, Laserpointer installieren und mit deren Lichtblitzen die Krähen vergrämen. Vergrämen heißt, zum Umzug bewegen, denn Töten ist nicht erlaubt. Die Krähe steht unter Schutz.

Jever war guter Dinge, man plante den Einsatz von Lasern der Stärke 2, was als niedrig gilt. Doch Verbündete der Saatkrähe in der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises entschieden: Stärke 2 ist zu viel, die Netzhaut der Krähe könnte Schaden nehmen. Im Rathaus führte das zur Kapitulation, mit Lasern Stärke 1 komme man nicht einmal hoch in die Baumkronen.

Es gibt aber immer Hoffnung. Sie keimt in den Niederlanden. Kann man Krähen nicht besiegen, muss man sie zu Angestellten machen, schlagen zwei Amsterdamer Tüftler vor. Der Plan klingt verwegen-euphorisch und erinnert an den frühen Hype um Martin Schulz. Ruben van der Vleuten und Bob Spikman wollen einen Automaten bauen, der Krähen mit Futter belohnt, wenn sie Zigarettenstummel hineinfallen lassen. Ihr Idee: Krähen, die ja nicht dumm sind, lernen, dass sie für das Sammeln von Kippen Futter aus einem Automaten bekommen, wenn sie eine Kippe oben reinfallen lassen. Haben die ersten das begriffen und weitererzählt, fliegen bald alle Krähen durch Jever und räumen die Stadt auf, dass die Jeveraner sie nicht wiedererkennen. Unklar ist noch, da schweigen die Tüftler, wie sie den ersten Krähen ihr Konzept nahebringen wollen.

Was sagt der Bürgermeister? Herr Jan Edo Albers meinte kürzlich im NDR, wenn Krähen Zigarettenstummel für den Nestbau benutzten, was wohl vorkommt, dann könnte man ihnen ja auch den holländischen Automaten schmackhaft machen. Es sei an der Zeit, anders an das Thema heranzugehen. Das ist Stand der Dinge. An der Geschichte bleiben wir dran. Versprochen.

Auch interessant

Kommentare