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25 Jahre

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Da waren sie noch jung: Die Tatort-Komissare Ivo Batic und Franz Leitmayr.
Da waren sie noch jung: Die Tatort-Komissare Ivo Batic und Franz Leitmayr. © imago/United Archives

Was waren Batic und Leitmayr jung und gelassen: Ein Wiedersehen mit einem München-Tatort aus dem Jahr 1991.

Dass das Leben in den 80ern, frühen 90ern doch auf seine Weise angenehm war, dokumentierte kürzlich die Wiederholung des ersten München-Tatorts mit Leitmayr und Batic vom Januar 1991. Die Ermittler, schockierend jugendlich, waren zwar fürchterlich zurechtgemacht: die Kleidung insgesamt riesenhaft, zumal im Schulter-, Kragen- und Achselbereich, Leitmayr dazu mit lockigem Vokuhila-Schnitt. Er fährt noch seinen Porsche, eine Schrottkarre, die es zwischendurch anzuschieben gilt, so dass die Zuschauerin sich fragen kann, wann sie zum letzten Mal regelmäßig ein Auto angeschoben hat. Vermutlich um 1991 herum.

Dann aber ist zu sehen, wie die beiden einem Verdächtigen beim Verhör selbstverständlich eine Zigarette reichen, Feuer auch. Und das ist kein Trick, der Mann will eine rauchen, und eine Packung ist eh zur Hand. Und wie der Trinker, der etwas zu trinken braucht, etwas zu trinken bekommt. Und wie die Bedürfnisse des schlotternden Drogenkonsumenten eher ignoriert werden, weil die Zeit fehlt. Denn da klingelt – bei mäßigem Gesamttempo – doch einmal wieder eines der grauen Wählscheibentelefone (Batic hat daheim schon ein schickeres, grünes). Überhaupt ist der Umgangston, sei es gegenüber Schurken, sei es gegenüber Ex- und aktuellen Geliebten, sei es gegenüber sich selbst, friedlich und unaggressiv. Der Lebenswandel anderer wird keinem schärferen moralisch-ethischen Urteil unterworfen. Wobei das Sympathischste daran ist, dass das im Film keinem auffällt.

Die Ermittler haben zu tun, aber sie haben auch Zeit für Spaß im Leben. Die Wörter Stress, Überstunden, Resturlaub tauchen nicht auf, jedenfalls nicht mit einem dramatischen Zuschnitt. Dafür gibt es einen Feierabend, der seinen Namen verdient. Batic lebt improvisiert, aber nicht weil er ständig arbeitet, sondern weil man in den achtziger Jahren Kleiderschränke und sonstigen Spießerkram längst zum Fenster rausgeworfen und sich noch keine neuen gekauft hatte.

Dabei passieren schlimme, zeitkritische Sachen, auf die die Ermittler einigermaßen bestürzt reagieren. Der Zuschauer kommt gut mit, selbst wenn es eine ständige Ablenkung darstellt, dass Carlos hier noch einen windigen Fotografen spielt. Ihren englischen Namen „Animals“ trägt die Folge, ohne sich zu genieren.

Es ist apart zu beobachten, wie 25 Jahre das Lebensgefühl insgeheim verändern. Dennoch ist es selbstverständlich kritikwürdig, dass Redaktionsmitglieder, sobald sie total ausgebrannt im Teilresturlaub gelandet sind, sofort anfangen, wie die Wahnsinnigen Fernsehen zu gucken.

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