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Hat einen besonderen Platz im Herzen vieler Deutschen: Der Tigerteppich aus "Dinner for One".

Times mager

Wie immer

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Das kann einfach nicht sein, dass schon wieder Weihnachten vor der Tür steht. Aber wenigstens gibt es Neues zu „Dinner for One“.

Die Vorweihnachtszeit ist trotz oder wegen der schönen Kerzenbeleuchtung von Irritationen durchsetzt. Unüberraschenden und überraschenden. Zu den unüberraschenden gehört die rabiate Beschleunigung der Zeit. Dies ist eine jährliche Zumutung, die den Plan, den Ereignissen durch gute Vorbereitungen besinnlich entgegensehen zu können, verlässlich unterläuft. Einen Heiligabend einen Tag nach dem 4. Advent zu veranstalten, ist im Übrigen eine Unverschämtheit.

Zu den unüberraschenden gehört auch das neuerliche Scheitern am Heidesand, diesmal mit verbesserter Rezeptur, zu der aus kundiger Hand bereits beispielhafte Ware vorlag. Das Geheimnis muss aber außerhalb der schriftlich festgehaltenen Zeugnisse liegen. Das eigene Resultat ist knackig wie eh und je. Viele Dinge sollten knackig sein, Heidesand gehört nicht dazu.

Zu den überraschenden gehört die Nachricht, dass „Dinner for One“ zu diesem Silvester auch im britischen Fernsehen ausgestrahlt werden soll. Wem klar ist (aber es ist alles verdammt lang her), dass es Peter Frankenfeld war, der den Komiker Freddie Frinton in den Sechzigerjahren überredete, den Sketch für den NDR aufzunehmen, und dass er in dieser Form also im Ausland Karriere machte, wundert sich vielleicht doch über die späte Rückkehr. Nun beschreiben englische Zeitungen en detail die Handlung und spekulieren darüber, was die Deutschen daran so witzig finden. Den Tigerteppich, klar, das treue Sich-total-Betrinken des Butlers, die Sex-im-Alter-Pointe. Entscheidender ist aber, dass der Sketch auf Englisch aufgenommen wurde (nicht zuletzt, weil Frinton die Deutschen aus Kriegszeiten nicht leiden konnte) und somit die gepflegt ausgesprochenen Namen Pomeroy und Winterbottom in den meisten deutschen Herzen einen Platz haben. Dazu eine idiomatische Wendung von Schönheit und Nutzen. Sie ist der Grund für Tigerteppich-Verächter dennoch wieder einzuschalten. Und sie verführte dazu, die Briten für einen antiquierten, aber vernünftigen Menschenschlag zu halten. Was für ein Irrtum, und die Briten konnten ja auch all die Jahre nichts davon wissen.

Zu den überraschenden gehört ferner das Ende des sogenannten Spritzgebäck-Problems, das seit diesem Jahr durch neuartige Beutel gelöst werden konnte. Die Beutel sind unzerreißbar. Sie müssen aus der Weltraumforschung stammen. Hilfreich wäre, wenn für Raketen außerdem besonders bröselig mürbe Gebäckelemente benötigt würden.

So gehen totaler Stillstand und rasender Fortschritt auch in dieser Vorweihnachtszeit Hand in Hand.

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