Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Als Zikade wäre einiges einfacher …
+
Als Zikade wäre einiges einfacher …

Times mager

Im Stau

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Als Zikade hätte man das heimliche Lockdown-Programm vielleicht geschafft – aber in gut einem Jahr kann das keiner verlangen.

Ja, wenn man eine Zikade wäre, dann hätte man nicht nur ein gutes Jahr, dann hätte man 17 Jahre Zeit gehabt, um die Schallplattensammlung durchzuhören (und vielleicht hätte man sich endlich von einigen Platten getrennt); um auszuprobieren, ob sich die Bücher im Regal designtechnisch besser machen, wenn sie nach Farben sortiert sind; um alte Familienbilder in Alben zu kleben und sich zu fragen, ob das mit dem strengen Blick und dem hochgeschlossenen weißen Rüschenkragen Tante Miezl ist, deren Schlagfertigkeit legendär war; um es dann, circa in Lockdown-Jahr drei oder vier, besser zu machen als die Eltern, insofern nämlich, als man jedes Foto, das man einmal zu hinterlassen gedenkt, tadellos beschriftet, etwa so: „Tante Miezl beim Fotografen in Oberunterbach, 1928“. (Könnte allerdings sein, dass digitale Fotos eh auf Nimmerwiedersehen in der Wolke verschwinden – und unnötige Arbeit will man sich auch bei 17 Jahren nicht machen.)

Man hätte sich jedenfalls Reihenfolgen und Strategien überlegen können. Listen erstellen, mal Pause machen. Noch eine Pause machen. Dann eine neue Liste erstellen. Denn ist nicht das Aussortieren löchriger Socken erst mal wichtiger als das von Büchern, die man im Leben nicht mehr lesen wird? Wer weiß schon, ob er nicht eines Tages denkt: Wo ist denn mein Simmel (meine Courths-Mahler) hin? Gerade jetzt habe ich Lust auf Simmel (Courths-Mahler). Menno.

Gekommen ist es allerdings – für das Times mager übrigens völlig überraschend – so: Es verbringt wieder Zeit im Stau. Und elf Kilometer weiter mehr Zeit in einem anderen Stau. Es verbringt Zeit in der Testcenter-Schlange. Es hat trotzdem keine gute Ausrede mehr, keine neuen Schuhe kaufen zu gehen. Es hat auch keine Ausrede mehr, kein vorzügliches Geschenk für I. zu besorgen. Zu viel zu tun? Wie klingt das denn in diesen Tagen, da man I. wieder von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen kann und das womöglich noch maskenfrei? Und unmöglich kann man zu viel zu tun haben, um Freundin M. zum Essen zu treffen. Oder um A. wenigstens auf einen Kaffee in F. zu treffen. Oder mit P. diese Ausstellung zu besuchen, die er unerklärlicherweise besuchen möchte, ehe sie wieder vorbei ist. Gleichsam staut es sich an allen Ecken in diesen Tagen.

Aus Vor-Corona-Zeiten kennen Sie das sicherlich, wie Ereignisse und Dinge, im hinterlistigen Verbund mit der Zeit, einen reinlegen. Unbedingt wollten Sie zum Beispiel diesen besonderen Film sehen – aber wer konnte ahnen, dass er nur fünf Wochen läuft? Überhaupt hat die Zeit einen sehr schmutzigen Trick drauf, dies auch nach gefühlt 17 Corona-Jahren noch: Sie tut so, als wäre sie endlos. Und dann ist sie von einem Tag auf den anderen rum.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare