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„Unterhalb der Orangegärten von Valdemosa leuchtete roter Mohn wie züngelnde Purpurglut, die in weiten, breiten Strömen dahin rann, das ganze gelbe Aehrenfeld mit seinem roten Licht überflutend“, schreibt Anny Wothe über die Balearen.
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„Unterhalb der Orangegärten von Valdemosa leuchtete roter Mohn wie züngelnde Purpurglut, die in weiten, breiten Strömen dahin rann, das ganze gelbe Aehrenfeld mit seinem roten Licht überflutend“, schreibt Anny Wothe über die Balearen.

TIMES MAGER

Im Geistertal

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Sehnsucht und Verrat auf den Balearen, nicht nur vor 110 Jahren fand das Interesse.

Seite 5, die erste Textseite, enthält 38 Adjektive in zehn Sätzen. Hier die sechs Wörter, mit denen das Buch beginnt: „Goldüberglüht hob sich flammend das Meer.“ Bei einem Anteil von 33,3 Prozent Adjektiven (61,8 Prozent der Buchstaben) hätten alle lebenden Sprachkritikerinnen und Journalistenschuldozenten diesen ersten Satz der Autorin um die Ohren gehauen. Schallend.

Alle lebenden Sprachkritiker und Journalistenschuldozentinnen lebten allerdings noch nicht, als der Satz geschrieben wurde. Er eröffnete vor 110 Jahren den Fortsetzungsroman „Im Geistertal – Ein Roman von der Insel Mallorka“ im „Frankfurter General-Anzeiger“. Zeitungsfreundliche Menschen könnten schon davon gelesen haben; unlängst war die uralte Gazette einen Monat lang Thema einer täglichen Serie gleich hier um die Ecke.

Jene Rubrik „Vor 110 Jahren“ bot leider nicht genug Platz, das Geistertal gebührend zu würdigen. Doch das Schicksal meinte es gut und hielt im „Antiquariat Wortschatz“ noch ein Exemplar des Buchs bereit, veröffentlicht zehn Jahre nach dem Vorabdruck, mithin: vor genau 100 Jahren.

Anny Wothe, die Autorin, war da schon tot. Sie hatte in ihrem 61 Jahre währenden Leben ein Gebirge von Büchern verfasst und unter anderem eine Frauenzeitschrift gegründet. Titel ihrer Publikationen reichen von „Lohnverhaeltnisse der Arbeiterinnen“ (1886) über „Sei sparsam! Ein praktischer Führer und Ratgeber für sorgsame Hausfrauen und solche, die es werden wollen“ (1895) bis „Dornenpfade der Liebe“ (1928, dito posthum gedruckt).

Ihr Werk „Im Geistertal“ handelt von Sehnsucht, Verrat und der offenbar sinneraubend bunten Landschaft der Balearen: „Unterhalb der Orangegärten von Valdemosa leuchtete roter Mohn wie züngelnde Purpurglut, die in weiten, breiten Strömen dahin rann, das ganze gelbe Aehrenfeld mit seinem roten Licht überflutend.“

Bald trifft die junge Simoneta heimlich den mysteriösen Don Jamos y Cole nachts im Tal, um ihm einen Brief (und ihr Herz) zu überbringen. Doch Don Jamos, deutlich älter als das „braune Mädchen“ mit den „schwarzen Samtaugen“ und den „roten, dürstenden Lippen“ hat gerade andere Probleme. Er musste aus Deutschland fliehen (Mord?). Unterdessen weilt die verbannte Prinzessin Celeste (Ehebruch?) just auf derselben Hacienda am Rande des Geistertals, die der Don bewirtschaftet. „Die Sage geht“, flüstert ihr die Hofdame zu, „daß, wer die Geisterhexe erschaut, vom Leben scheidet.“ Und der Brief aus Simonetas Händen? Lässt eine fatale Begegnung befürchten.

Bleiben Sie dran, wenn Sie Mut haben. Eventuell werden wir gemeinsam die Geisterhexe erschauen.

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