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So manche Textkonstruktion in der Zeitung kann für Verwirrung sorgen. (Symbolbild)
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So manche Textkonstruktion in der Zeitung kann für Verwirrung sorgen. (Symbolbild)

TIMES MAGER

Ignoriert

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Die Frage ist ja, ob die Ignoranz von Fakten so ein großes Problem sein muss.

Kollege S. platzte sehr plötzlich mit der Bemerkung heraus, er müsse nun mal wirklich die Fakten in Schutz nehmen, und zwar gegen die Ignoranz. Natürlich verstand ihn kein Mensch.

Es sei wohl um irgendwelche Verschwörungsmythen gegangen, fuhr S. fort, und in diesem Zusammenhang sei in der Zeitung die „Ignoranz von Fakten“ angeprangert worden. Das sei, S. ließ eine gewisse Wut erkennen, relativ ungerecht, denn keineswegs seien Fakten ignorant, das könnten sie eigentlich gar nicht sein. Ignorant – hier wurde es hart – seien vielmehr diejenigen Sprachkünstler und -innen, die die „Ignoranz von Fakten“ erfänden, wenn es um das Ignorieren von Fakten gehe.

Von irgendwoher kam die leise Anfrage, ob das nun ein Grund sei, sich so aufzuregen. Wer das nicht verstehe, konterte der Kollege S., dem könne er versichern, dass er bereits heute morgen beim Aufstand schlechte Laune gehabt habe, die durch den langen Anstand in der Schlange vor der Bäckerei noch verstärkt worden sei. Das habe sich auch nicht gerade zum Positiven gewendet angesichts der Nachricht, dass der Aufbruch verhärteter Fronten in der internationalen Politik erneut nicht gelungen sei. Es folgte eine kurze Verschnaufpause, die der Kollege S. allerdings nur nutzte, um erneut anzuheben, vor Übelkeit sei es bei ihm fast zu einer Übergabe gekommen, als ein Kollege berichtet habe, er müsse den Arbeitsplatz kurz zwecks Aufgabe eines Pakets verlassen. Nur mühsam beherrscht habe er dem Kollegen geantwortet, dass er ruhig sitzenbleiben könne, wenn er doch das Paket ohnehin bereits verloren gegeben habe.

Jemand hatte den Unterschied zwischen „Aufstehen“ und „Aufstand“ immer noch nicht verstanden und fragte, was „heute morgen beim Aufstand“ bedeuten solle. Kollege S. beantwortete die Frage selbstverständlich nicht, sondern nutzte die Gelegenheit zu einer weiteren Rüge: „A propos Aufstand“, dozierte er, da müsse etwas gesagt werden zum Aufstehen des kasachischen Volkes gegen seine Unterdrücker. Im Radio habe er den geradezu traumhaft irrwitzigen Satz gehört: „Der fehlende Treibstoff brachte das Fass zum Überlaufen.“

Tatsächlich kam an dieser Stelle in der Runde Verständnis auf, und jemand versicherte glaubhaft, es sei eine sehr reizvolle Aufgabe, sich ein Fass vorzustellen, so übervoll mit fehlendem Treibstoff, dass es überlaufe. Kollege S., dadurch ermutigt, fügte noch hinzu, er stelle sich schon die Freude der Menschen vor, wenn die Diktatur besiegt und der Treibstoff wieder ausreichend vorhanden sei: Sie werden, bemerkte er, den Einfluss des Benzins mit einer Strahlung in den Augen verfolgen.

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