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Sherlock Homes (links) mit seinem Kumpanen Dr. Watson.
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Sherlock Homes (links) mit seinem Kumpanen Dr. Watson.

Times mager

Ignoranz

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Dr. Watson ist entsetzt, was Sherlock Holmes nicht weiß. Aber braucht er es zu wissen?

Als wir uns noch alle im Theater trafen, frappierte es manchmal, wie kraftvoll die Meinungsfreude die Kenntnis – die Kenntnis zum Beispiel von zeitlichen, historischen Grundgegebenheiten, Handlungsabläufen, die immerhin gerade vorgeführt worden waren, also jetzt nichts besonders Kompliziertes – übertraf. Interessant, dass Meinungsfreude, die die Kenntnis übertrifft, meistens auf eine besonders scharfe Abfuhr hinausläuft. Ignorant sind auch immer nur die anderen.

Damals hatte man aber vermutlich den Eindruck, dass das ein besonderes Problem von Kultur wäre, so als könnte alles, was nicht in Zentimetern abzumessen ist, gleich als Geschmacks-, nämlich Bauchfrage behandelt werden.

Noch später zeigte sich dann, allerdings mit Wucht, dass andere Bereiche, nehmen wir den der Virologie, ähnliche Schwierigkeiten haben. Das ist für leidgeprüfte Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler aber keine Genugtuung, im Gegenteil. Da sie, wie die meisten Menschen, gegenwärtig zu viele Fernsehserien gucken, lenken sie sich aber kurz ab und suchen einen gemeinsamen Nenner.

Erstens weiß der Sherlock Holmes von Benedict Cumberbatch angeblich nicht, ob sich die Sonne um die Erde dreht oder die Erde um die Sonne. Dr. Watson ist entsetzt. Sherlock Holmes beharrt aber darauf, dass das für seine Arbeit nicht wichtig sei. Hier merkt man, dass es ein großer Unterschied ist, ob man etwas nicht weiß oder ob man auf etwas Falschem beharrt. Zweitens kräht und plärrt ein Papagei in „Hart aber herzlich“, Folge 29, so penetrant vor sich hin, dass Mrs. Hart sagt, er werde sich noch die Lunge aus dem Leib singen. Sodann fragt sie sich nachdenklich, ob Vögel Lungen haben. Das geht so schnell und ist so lustig, dass man sich das auch kurz fragt. Aber natürlich haben sie. Mrs. Hart wäre es gewiss ebenfalls eingefallen, wenn der Papagei in dem Moment nicht etwas kriminalistisch Bedeutsames gesagt hätte. Drittens beweist Walter White in „Breaking Bad“ ohne Unterlass, welche Vorteile es hat, in den naturwissenschaftlichen Fächern in der Schule die Ohren gespitzt zu haben.

Übrigens veränderte sich das über die Jahre. Dem feurigen Geschimpfe der langzeitabonnierten Großelterngeneration folgten Gemurre und eine gruselige Gleichgültigkeit, und schon keimte auch eine neue, scheue Neugier. Es gab offene Fragen, und man stellte sie. Es gibt keinen Grund, darüber zu lächeln, dass Einführungsvorträge zum „Käthchen von Heilbronn“ gestürmt und Opernnachmittagsformate für Kinder für Erwachsene angeboten wurden, die „Idomeneo“ kennenlernen wollen. Daran wird sich anknüpfen lassen. Der Mensch wird nicht direkt klüger, aber er wird auch nicht ausschließlich dümmer.

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