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Identität in Juwelenform?

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Identitäter

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Identität ist eine testosterongetriebene Vokabel, von der viel gesprochen wird, seit dem Kunstdiebstahl in Sachsen.

Identität – kaum ein Wort, das präsenter wäre, sobald es ernst wird. Die Identität von Eintracht Frankfurt, der Grünen, von VW, meiner Rewe-Filiale, der Gummibärchen dort. Identität ist so etwas wie ein Riesending im Dauerzustand der Inflation. Sowie der Erregung.

Das erklärt, warum seit Anfang der Woche, seit dem schändlichen Kunstdiebstahl im Grünen Gewölbe von Dresden, das Wort Identität Hochkonjunktur hat. Kein Statement ohne den Begriff, eine Stimme bezog sich auf die andere. So meinte der Innenminister von Sachsen, Roland Wöller: „Es ist so, wie unser Ministerpräsident gesagt hat: Es ist ein Anschlag auf die kulturelle Identität aller Sachsen und des Freistaates Sachsen.“

In der Tat, es handelt sich bei dem Juwelenraub nicht um eine Rififitat in einem privaten Juweliergeschäft, sondern in einem öffentlichen Museum. Es gibt keinen Grund, den Raub zu bagatellisieren, die Verluste sind immens, aber zur Hysterie gehört, dass die Ausbeutung der Vitrine als ein „Raubzug“ („Süddeutsche Zeitung“) beschrieben wurde – als hätte es sich um einen Beutezug durch das gesamte Museum gehandelt. Es war davon die Rede, dass die Plünderung der Vitrine Sachsen „tief in seiner Seele trifft“, und dass obendrein das Herz von Kunstenthusiasten angefasst wurde, werden nur kaltherzige Menschen bestreiten. Wo aber der Begriff „Identität“ aufgebracht wird, kommt umgehend der kalte Zugriff der Ideologie ins Spiel.

Mit dem Wort Identität lässt sich sehr viel unternehmen, es ist regelrecht unternehmerisch tätig. Identität dient als ein übergriffiger Begriff. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass gerade in Dresden sehr salopp mit dem Begriff umgegangen wird, seitdem Pegida und AfD damit handfeste Interessen verfolgen. Offenbar ist die Atmosphäre in der Stadt dermaßen gereizt, dass selbst ein Kunstraub, so unbestritten dreist er sich an einem öffentlichen Eigentum vergreift, auf einen Kampfbegriff zurückgreifen lässt. Die geraubte Identität – sollte man sich in Sachsen, in Dresden erneut in einer exklusiven Rolle sehen, einer Opferrolle, wieder mal?

Identität ist eine testosterongetriebene Vokabel. Kann man sich im Land der Identitäter und Identitäterinnen aber vielleicht dennoch auf ein Moratorium einigen, Motto: Selbstverständnis statt Identität. Oder verständigen auf ein Identitätsfasten im engsten Kreis? Oder gar in ganz Deutschland auf eine ganzjährige Identitätsscham? Eine jede Initiative wäre im Sinne geistiger Klimaneutralität, endlich.

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