Ziemlich blutige Nase.
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Ziemlich blutige Nase.

Times mager

Ideen

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Immer wieder diese pfiffigen Einfälle, die später der Ideenhaber selbst nicht mehr versteht.

Die Gedanken verblüffend vieler Menschen kreisen offenbar um die Verwendung weißer Oberbekleidung und/oder die Beschaffenheit von Fahrradsätteln. Den Verdacht nährt die verhältnismäßige Vielzahl von Zuschriften auf eine beide Themen umfassende Abhandlung jüngst an dieser Stelle. Unter den Zuschreibenden befanden sich übrigens zu einem hohen Prozentsatz Ex-Münsterländer sowie Ostwestfalen-Lipperinnen. Sagt man so?

Jedenfalls gehen die Meinungen über helle Fahrradbekleidung auseinander, manche sagen: auf keinen Fall, andere sagen: auf jedem Fell(-sattel), wieder andere finden: warum nicht, und wieder andere sind der Meinung, Fahrräder seien generell überhaupt nicht zu bekleiden, sondern nackend zu belassen, im Gegensatz zum Radfahrer.

Es bestand somit offenbar ein Bedürfnis, diese Debatte zu führen. Das ist gut, denn nur damit lässt sich rechtfertigen, dass der zugrunde liegende Text gleich zwei Einträge der persönlichen TM-Liste verschlang. Eigentlich ein Unding.

Die persönliche TM-Liste ist ein Reservoir von Ideen für Texte, die in einer gewissen Rubrik zu stehen kommen sollen. Ist der Kopf leer, hofft er inständig, die TM-Liste möge voll sein, auf dass sie ein Thema enthalte, mit dem sich etwas anfangen ließe. Zuletzt standen dort die Einträge „Angst vor weißer Wäsche“ sowie – Sie verzeihen, es handelt sich ja um eine rein private Liste – „Nasser Hintern beim Radfahren“. Beide riss der erwähnte Text gnadenlos mit sich in die Zeitung.

Ist die Liste nun leer? Mitnichten. Sie erstreckt sich weiterhin auf etwa sieben Meter Länge, wimmelt aber leider von Ideen, die der Ideenhaber in Phasen hatte, da diese Sachverhalte womöglich interessant gewesen sein könnten oder er geistig umnachtet gewesen sein muss. Anders ist nicht zu erklären dass sich dort Einträge finden wie „Bloody nose app“, „Spülbürste mitgebracht, im Schrank verschwunden“ oder: „Rollladen kaputt, im Dunkeln sitzen“.

Eventuell steckt hinter jeder dieser Notizen irgendeine Geschichte, die zu erzählen sich lohnte – nur welche war es noch gleich? Die Liste zu löschen und auf neue, unverbrauchte, hell leuchtende Einfälle zu warten, wäre eine Herausforderung. Ein Aufbruch in eine neue Zeit. Eine Ära, in der die Gedanken dem Autor nur so zuflögen, ohne dass er vorher stundenlang in blöden Schnapsideen von 2013 oder, was weiß ich, vor dem Krieg stöbern und sich einen Hornochsen heißen müsste.

Aber er hätte dann, wenn neue Ideen ausblieben, nicht mal mehr alte. Lesen Sie demnächst: Wesen und Verwendungsformen der Listen „Essen“, „Ausflüge“, „Besorgen“ und „Bandnamen“.

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