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Vermutlich sind Sie viel öfter hybrid, als es Ihnen selber präsentisch ist.
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Vermutlich sind Sie viel öfter hybrid, als es Ihnen selber präsentisch ist.

Times mager

Hybrid

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Gegenwärtig oder gar geistesgegenwärtig zu sein, ist auch im Homeoffice das A und O.

Auf die Frage, ob er an einer öffentlichen Diskussion teilnehmen wolle, antwortete kürzlich der potenzielle Referent: Das Ganze müsse „mindestens hybrid“ ablaufen. Ja, der Fortschritt ist eben unaufhaltsam: Vor einem Jahr hätte kein Mensch verstanden, was das heißen soll (zumal der potenzielle Referent es auch gar nicht gesagt hätte). Aber damals benutzten wir ja auch das Wort „präsentisch“ nicht.

„Präsentisch“ ist ein sehr schöner Begriff. In der Grammatik steht er für den Gebrauch von Wörtern in der Gegenwartsform, aber irgendwer muss im inneren Tumult des Homeoffice-Daseins auf die Idee gekommen sein, den Ausdruck anders zu verwenden: „Präsentisch“ soll nun eine Veranstaltung sein, die einerseits natürlich in der Gegenwart (also sozusagen im Präsens) stattfindet, andererseits und vor allem aber in Gegenwart (Präsenz) der Beteiligten. Klingt trotzdem blöd.

Hybrid dagegen ist die Sache, das scheint klar, wenn ein Teil der Beteiligten gemeinsam präsent ist (das wäre dann der „präsentische“ Teil), die Veranstaltung aber zugleich im Internet übertragen wird. Andererseits wollen wir es uns so einfach nicht machen und fragen: Ist nicht auch eine rein digitale Veranstaltung bereits irgendwie hybrid?

Stellen Sie sich nur vor, Sie nehmen zu Hause an einer Konferenz teil (für die ganz Jungen unter 55: einem Meeting), die (oder das) irgendwie in Ihrer Firma stattfindet, weil dort Ihre Chefin sitzt oder Ihr Chef. Diese „Runde“, wie es unhierarchisch sprechende Hierarchen auch nennen, ereignet sich also sowohl in Ihrer physischen Ab- als auch (womöglich) in Ihrer geistigen Anwesenheit. Nebenbei: Im Intimleben mancher Menschen soll es gelegentlich genau umgekehrt sein.

Also bitte: Wenn es stimmt, dass das Wörtchen „hybrid“ die Kombination oder auch Vermischung zweier unterschiedlicher Materialien, Fähigkeiten oder eben auch Seinszustände bezeichnet (hier: An-/Abwesenheit), dann wäre hiermit bewiesen, dass Sie viel öfter hybrid sind, als es Ihnen selber präsentisch ist.

Nun werden Sie sagen, die Hauptsache sei, dass Sie immer zur Stelle und auf Zack seien. Das gelte vor allem dann, wenn es um die Firma gehe, so dass Sie jederzeit als zumindest geistig gegenwärtig oder gar geistesgegenwärtig angesehen werden könnten.

Jedenfalls werden Sie das sagen, solange der Chef oder die Chefin noch in der Leitung ist und Sie statt in der Küche ausnahmsweise vor der Bücherwand sitzen, die Ihnen die Konferenzplattform im Internet kostenfrei als virtuellen Hintergrund zur Verfügung gestellt hat, also – vom „Präsentischen“ her betrachtet – in der Küche, aber virtuell halt vor der Bücherwand. Diese Erscheinungsform lässt sich ohne weiteres als hybrid bezeichnen.

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