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Dirigent Michael Tilson Thomas soll auch mal  Hustenbonbons ins Publikum geworfen haben. War sicher schmerzhaft.
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Dirigent Michael Tilson Thomas soll auch mal Hustenbonbons ins Publikum geworfen haben. War sicher schmerzhaft.

Times mager

Husten

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Mancher nutzt das Konzert, um sich endlich in Ruhe freizuhusten. Dagegen halfen nur scharf geschossene Hustenbonbons – bisher.

Gehuste im Zuschauerraum, ein weites Feld. Über viele Jahre war das Theater ein Ort, an dem sich Menschen jenseits der Bühne einmal in Ruhe (!) freihusten konnten. Sie befanden sich schließlich weder in einem Meeting, noch lagen sie im Bett neben dem genervten Ehepartner, der genervten Ehepartnerin, sie saßen bloß in einem Saal, um sich herum jene Stille, die das Husten so naheliegend, so geradezu zwingend macht. Vorne auf der Bühne Konversation, Action, Musikke, aber man bekommt auch beim Husten einiges mit, abgesehen davon bekommt man sonst eben auch einiges nicht mit. Das ist doch nicht so schlimm. Ein Theaterbesuch ist keine Schulstunde, man soll Spaß haben, soll sich entspannen. So verschluckten sich die einen im Sekundenschlummer. Die anderen waren vor lauter Stress den ganzen Tag nicht zum Husten gekommen. Die Dritten husteten, weil sie das Husten hörten. Husten im Theater hat 13 Sekunden Inkubationszeit.

M öglicherweise wünschten ihnen nun die anderen (die gerade nicht husteten) die Pest an den Hals, aber erstens hatten sie die offenkundig bereits. Zweitens ist es unwirksam, jemandem im Stillen die Pest an den Hals zu wünschen. Es ist dem Vernehmen nach ohnehin ein kompliziertes Prozedere. Magie: Sie ist wenigen gegeben.

A uffällig immer schon, dass es einzelne Ereignisse gab, bei denen kein Hüstelhauch war. Früher gehörten die Vorstellungen in Bayreuth dazu, in denen weit geringfügigere Lebensäußerungen – ich sag mal: ein knappes Nasehochziehen, sofern es nicht Teil eines emotionalen Zusammenbruchs war – scharf geahndet wurden. Nicht während des Aufzugs, aber im Anschluss. Es gab nicht direkt Haue, kam jedoch nah dran. Merke dir also an dieser Stelle: Wer die Musik von Richard Wagner schätzt, ist nachtragend und toleriert höchstens einen emotionalen Zusammenbruch. Sofern er, klar, durch die Musik von Richard Wagner hervorgerufen worden ist.

Auch die Konzerte mit Alfred Brendel gehörten dazu. „Entweder Sie hören auf zu husten, oder ich höre auf zu spielen!“, das ist die Sprache, die das Publikum versteht. Auch die Konzerte mit dem Dirigenten Michael Tilson Thomas dürften dazu gehören, der Hustenbonbons ins Publikum geworfen haben soll. Ein scharf geschossenes Hustenbonbon dürfte ähnlich empfindlich treffen wie früher ein Stück Kreide. Ein Theaterbesuch ist keine Schulstunde, aber Parallelen scheint es doch zu geben.

Dann kam Corona. Es wurde still in den Sälen (stecknadeltesttauglich, um noch einmal schulisch zu werden). Bis heute schaut man sich zuweilen um, ob die anderen noch am Leben sind. Während 2G plus allmählich das Selbstbewusstsein zurückbringt (wer jetzt hustet, hat bestimmt andere Gründe, ist kurz eingenickt usw.), zeigt sich, dass die Ruhe das Einzige ist, das wir vermissen werden, wirklich das Einzige.

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