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Humoor

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Von: Bernhard Honnigfort

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Eine besondere Polizeistreife.
Eine besondere Polizeistreife. © imago stock&people

Von der emsländischen Polizei lässt sich lernen, wie aus dem Nichts Humoor entsteht.

Auch wenn es keine allumfassende Theorie des Humors gibt, weiß man doch einiges: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Humor ist, wenn die Hose kracht. Humor ist eine gesunde Sache. Es gibt Witze über Polizisten – Polizist: „Wo waren Sie zwischen vier und sechs?“ Verdächtiger: „Im Kindergarten.“ Und mittlerweile gibt es immer mehr witzige Polizisten. Warum? Eine Vermutung: Menschen sind gereizter, der Alltag ist anstrengender geworden. Sie handeln aus Notwehr.

Aufstrebende Newcomer des Polizeihumors arbeiten im Emsland, einer beschaulichen Weltgegend, die bislang nicht wegen lärmender Witzigkeit oder leichter Lebensart von sich reden machte. Das Emsland war immer mehr Moor als Humor.

Doch die Polizeiinspektion Emsland / Grafschaft Bentheim hat sich des Mangels angenommen. In einer geheimen Entwicklungsabteilung destillieren Spezialisten einen ganz eigenen: Humoor. Der kriminelle Alltag ist vergleichsweise mager und muss gründlich nach Körnchen von Witzigkeit durchgesiebt werden. Eigentlich passiert immer dasselbe: Ein abgebrochener Spiegel in Meppen, ein Exhibitionist in Lingen, Müll in die Büsche gekippt in Esterwegen, ein Einbruch in Rhede, betrügerische Klempner unterwegs in Niederlangen, Fahrerflucht in Haselünne, in Emlichheim eine Beleidigung.

Von der emsländischen Polizei lässt sich lernen, wie aus dem Nichts Humoor entsteht: Eine Streife schnappt sich einen 19-jährigen Autofahrer, stellt fest, der steht unter Drogen. Man verhängt 500 Euro Bußgeld, vier Wochen Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Nichts Besonderes. Aber nun: Die Humoor-Abteilung sinniert, mischt ein Gramm Sarkasmus bei und twittert dann: „19jähriger jetzt punktgleich mit dem HSV“.

Man muss wissen: Der HSV war einmal ein großer Hamburger Fußballverein. Heute hält er sich am Ende der Bundesligatabelle auf. Natürlich machte der Witz seine Runde durchs weltweite Netz. Ein Brüller, fanden die einen. Maul halten, die anderen.

Was Polizeihumor angeht, sind die Münchner vorn. Was man den Emsländern aber nicht vorwerfen kann: Die Münchner Polizei veranstaltet einmal im Jahr das Oktoberfest, lässt Millionen Biertrinker auf die Wiesn und schreibt dann auf, was passiert. Unter dem Bild eines Schimpansen twittert sie dann: „Nächster randal. Betrunkener, der seinen genetischen Vorsprung mittels Hopfenkaltschaale schlagartig eliminierte. Ausnüchterung!“ Da kommt die emsländische Inspektion noch nicht ran, nimmt aber sachdienliche Hinweise oder Zeugenaussagen in Sachen Humoor gerne entgegen.

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