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Jetzt sind sie alle weg, die Hummeln.

Times mager

Hummel

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Sie ist die Katze unter den Blütenbestäubern. Sie hat ein Fell, kommt angeschnurrt, kümmert sich nicht um uns und macht ihr Ding.

In seinem kürzlich gelandeten Buch „Und sie fliegt doch“ behauptet der Brite Dave Goulson nicht nur, dass Hummeln, obwohl für jeden ersichtlich zu dick dazu, aus eigener Kraft abheben können, er erzählt auch, wie er die platschnassen Pummelchen einst nach einem Gewitter zu trocknen versuchte: Der kleine Dave setzte sie aus dem Flieder auf die eingeschaltete Herdplatte und stellte anschließend fest, dass er wohl doch besser den Föhn genommen hätte, wenn überhaupt.

Was ihn mit anderen hilflosen Helfern an den unzähligen Krisenherden weltauf, weltab vereinte, ist das Höchstmaß an gutem Willen, gepaart mit einem gewissen Mangel an Know-how.

Selbstverständlich ist die überschwängliche Liebe zur Hummel nur zu begrüßen. Hummeln sind einfach die größten, nicht nur körperlich. Zecken zum Beispiel, sagen selbst Zeckenforscherinnen (hier: im Fernsehsender Arte), Zecken also „sind eigentlich ein fauler Sack“, denn sie sitzen den ganzen Tag herum und warten, bis sie jemand vom Halm streift, um uns dann auszusaugen.

Während Wespen den Balkon abnagen

Wespen wiederum sind sehr eifrig. Seit Jahren beschäftigen sie sich damit, unseren Balkon nicht etwa aufzufressen, wie wir zunächst annahmen, sondern ihn abzunagen, um dann aus unserem Balkon ein eigenes Nest zu bauen.

Außerdem interessieren sie sich stark für alles, was wir essen und trinken. Mit ihrem Verhalten wollen sie uns zu geduldigen und verständnisvollen Menschen erziehen. Wenn es wirkt, behandelt man sie sanft tadelnd wie stürmische Kinder und ist erschüttert, wenn andere Leute einfach draufhauen.

Dagegen die Hummel! Sie ist die Katze unter den Blütenbestäubern. Sie hat ein Fell, sie kommt angeschnurrt, kümmert sich nicht um uns, dengelt höchstens mal ungeschickt gegen unseren großen Zeh, macht ihr Ding mit dem Lavendel und hubschraubt wieder ab. Nie fiele es der Hummel ein, nachts im Schlafzimmer einer alpenländischen Ferienwohnung so lang Radau direkt an unseren Ohren zu machen, bis wir sie behutsam in die Freiheit bugsieren wie vorige Woche diese – Achtung: – riesige schwarze Libelle. Es war ein Drama.

Aber auch die Sache mit der Biene. Sie saß völlig entkräftet auf der Brüstung und konnte nicht mehr. Wir klecksten ihr einen Löffel Bio-Erdbeermarmelade aus heimischem Anbau vor die Nase. Fünfzehn Minuten später schwirrte die Biene dynamisch auf zu neuen Taten, fast wie frisch geföhnt.

Leider hat sich auch in diesem Sommer unser größter Wunsch nicht erfüllt: einmal im Leben eine wilde Hummel zu streicheln. Jetzt sind sie alle weg. Nächste Saison versuchen wir es wieder.

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