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Eine Hühnersuppe wärmt die Seele.

Times mager

Hühnersuppe für Wolfsburger

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Eine Hühnersuppe wärmt die Seele. Die kann man nicht nur an grauen Tagen gebrauchten - sondern auch dann, wenn mal wieder ein ICE an Wolfsburg vorbeifährt.

In den USA war der vergangene Sonntag, 12. November, der „Hühnersuppe-für-die Seele-Tag“. Keine schlechte Idee, so eine Hühnersuppe für die Seele, besonders an grauen Tagen, wo sich nasses Laub kalt und lähmend auf die Seele legt. Entscheidend und traurig ist: Der Tag gilt für die USA, nicht für uns hier in Europa, besonders nicht für die Gegend zwischen Berlin und Hannover, in der auch Wolfsburg liegt, das arme, immer und immer vergessene Wolfsburg, wo man in diesen Tagen viel tröstende Hühnersuppe gebrauchen könnte.

In Deutschland war der vergangene Sonntag stattdessen der „Tag der schlechten Wortspiele“, was natürlich typisch ist, warum auch immer. Sie haben es bestimmt schon gehört: Es ist wieder passiert. Bereits zum sechsten Mal. Ein ICE der Bahn ist an Wolfsburg vorbei gerast. Auf dem Weg von Köln nach Berlin. Der Lokführer hat vergessen zu halten. Warum auch immer. Dafür hielt er dann in Stendal, wo eigentlich keiner hin wollte und wo es natürlich auch keine tröstende Hühnersuppe gab für all die Wolfsburger, die aussteigen, warten und dann umsteigen mussten. 

Schlimmer geht immer, wird sich ein Schaffner gedacht haben (Tag des schlechten Wortspiels), als er von ratlosen Reisenden gefragt wurde, warum schon wieder kein Stopp in Wolfsburg. Sie sollten sich nicht so anstellen, soll der Mann ihnen Auskunft erteilt haben. Es gebe schließlich Schlimmeres im Leben. Ein wahrer Satz, nur leider völlig unbrauchbar, wenn man fröstelnd in Stendal steht. Was macht die Bahn nun? Sie will den Vorfall gründlich auswerten. Eine Tasse mit heißer Hühnersuppe ist dabei vielleicht hilfreich.

Der vergangene Mittwoch war übrigens „Cappuccino-Tag“, allerdings auch nur in den USA. Auf keinen Fall galt das morgens in einem Speisewagen der Bahn zwischen Dresden und Berlin, wo ein Bahn-Mitarbeiter sein Bordbistro aufschloss, laut „Schrott“ rief und dann den Reisenden mitteilte, er hätte auch gerne einen funktionierenden Arbeitsplatz. Cappuccino? Natürlich nicht.

Nur Kaffee normal, dauert aber noch, die Maschine muss sich erst reinigen. Kühlung auch kaputt, deshalb nur Süßigkeiten, ein nacktes Croissant und Flammkuchen. Dann kommt eine junge Frau herein und wundert sich halblaut, wie warm es doch in dem brütend heißen Wagen ist. „Besser als zu kalt“, erfährt sie von dem Mann, der gerne einen funktionierenden Arbeitsplatz hätte. Und für alle noch sein Kommentar hinterher: „Immer was zu meckern.“

An Hühnersuppe, die vermutlich allen im Wagen die Seele angewärmt und etwas Spannung aus der Lage genommen hätte, war natürlich nicht zu denken. Erstens war es nicht der Tag dafür, zweitens tuckerte der Zug gerade durch Brandenburg und drittens steht so etwas Simples und Lebensrettendes nicht auf der Speisekarte.

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