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Hubba

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Von: Thomas Stillbauer

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Ist es noch zeitgemäß, Kaugummireste auf die Straße zu spucken?
Ist es noch zeitgemäß, Kaugummireste auf die Straße zu spucken? © imago

Neues aus der Kaugummiforschung.

Zurück zur alten und doch stets aktuellen Frage, die sich Forschung und Industrie sehr gut durch den Kopf gehen lassen müssen: Ist meine Erfindung ein Segen für die Menschheit – oder bleiben wir eines Tages alle mit den Hacken daran kleben?

1848, vor 170 Jahren also, während man sich hierzulande die Zähne an den herrschenden Verhältnissen ausbiss, begannen die Amerikaner mit der Produktion von Kaugummi, und heute haben wir den Salat. Heute gehen, man kann es nicht anders sagen, kauende Horden über deutsche Einkaufsmeilen und spucken, was sie zwischen den Kiefern haben, exzessiv aufs Pflaster.

Kaugummiforscher schätzen, dass in den Stadtzentren 80 bis 90 Exemplare auf einem Quadratmeter kleben. Das macht für eine herkömmliche Konsumstrecke wie die Frankfurter Zeil nach FR-Recherchen insgesamt gut vier Millionen Kaugummis. Dabei sieht man ganz konkret nie jemanden, der einen auf den Boden spuckt. Auch bekennt sich im persönlichen Umfeld praktisch keine Person dazu, Kaugummis auf Einkaufsmeilen zu konsumieren bzw. zu spucken.

Überhaupt fragt sich, ob Kaugummikauen noch zeitgemäß ist. Einst gab es Hubba Bubba und Double Bubble mit Abziehbildern, das war etwas anderes. Da musstest du Kaugummis haben, oder du warst völlig out und konntest abkauen. Damals liefen in der Fernsehwerbung Menschen mit riesigen Spearmint-Packungen unterm Arm singend durch die Welt: Nimm die große, echte Frische, was immer du tust, wo immer du bist. Während derselben Epoche glitt Louis de Funès in „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“ über eine lange Rutsche in einen Bottich mit grün blubbernder Kaugummimasse („Chewing Gum Yankee“) und fabrizierte anschließend beim Leisesein (sie waren hinter ihm her) große, laut platzende Blasen mit den Socken und sogar mit dem Hinterkopf. Die lustigste Filmszene aller Zeiten.

In der Steinzeit kaute man auf dem Gebiet Finnlands bereits Baumharz, wie wir heute wissen, und zwar ganz offenkundig, ohne es wie gestört auf Einkaufsmeilen zu spucken. Eine erste Umweltkampagne forderte in den 70er Jahren dazu auf, fertig gekaute Gummis zurück ins Papier zu kleben und dann ab in den Mülleimer. Man sieht ja, was daraus geworden ist.

Würde die tapfere Straßenreinigung die Kaugummis nicht regelmäßig mit Hochdruckmaschinen und Kratzgeräten von öffentlichen Böden entfernen, hätte sich der Erdumfang vermutlich schon verdoppelt.

Es wird Zeit für Alternativen, beispielsweise Wiederkäuen wie die Kuh, die als pupsendes Umweltmonster verteufelt wird, aber eben keine Kaugummis auf die Straße spuckt. Bis sich so was allerdings evolutionär durchsetzt, das kann sich ziehen.

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