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Früher wurde eine Bibel im Hotelzimmer öfter gesehen.
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Früher wurde eine Bibel im Hotelzimmer öfter gesehen.

Times mager

Hotelbibel

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Länger nicht gesehen: Eine Bibel im Gasthofzimmer, und nicht nur das.

Das Gasthofzimmer in der relativ frommen Ortschaft scheint das erste seit langem zu sein, in dem eine Bibel steht. Damit der Gast sie nicht übersieht, lehnt sie auf dem Schreibtisch an der Wand. Der Blick wird magisch angezogen, zumal aus Corona-Sicherheitsgründen alle anderen Papierstücke aus dem Raum entfernt wurden (wie man dann auf dem Fernsehbildschirm erfährt, das Internet übrigens: pfeilschnell). Das vermittelt drei mögliche Botschaften: dass die Entfernung der Bibel zu weit gegangen wäre. Dass man sich an einer Bibel unter keinen Umständen anstecken kann. Dass eine Bibel in einem Hotelzimmer – anders als der Planer zu den Essenszeiten, den Wanderwegen und den Massageterminen – eh nicht aufgeschlagen wird, aber ihre schiere Anwesenheit bereits Gutes bewirkt.

Das ist schwer zu bewerten. Zum Beispiel weiß man nicht, was passiert wäre, hätte keine Bibel an der Wand gelehnt. Die Ortschaft – aufmerksame FR-Leserinnen und -Leser wissen längst, dass es sich um Erl in Österreich handelt, wo gegenwärtig die Tiroler Festspiele stattfinden (FR v. 13. Juli) – ist auch insofern eine Ausnahmeerscheinung, als fast die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner (1450) an den alle sechs Jahre eingeplanten Passionsspielen (600) teilnimmt. Es wäre geschmacklos zu behaupten, dass sei sicher ein Riesenspaß, aber man wird zu sechshundert bei einem solchen Projekt auch nicht Trübsal blasen. Vorstellbar zudem, dass die nicht mitwirkenden 850 sich indirekt ebenfalls engagieren, beispielsweise die Menschen mit ausreichend Spinatknödeln versorgen. So etwas Feines haben Sie noch nicht gegessen.

Gab es früher nicht in jedem Hotelzimmer eine Bibel? Gehörte sie nicht in die gut sortierte Hotelzimmernachttischschublade? In die die Kinder bei der Komplettinspektion des Raums linsten, während die Erwachsenen schimpften, wie unhygienisch es sei, überall herumzufingern. Vielleicht hat man zu lange nicht in eine Hotelzimmernachttischschublade geschaut. Vielleicht hat man zu lange nicht in einem Hotelzimmer übernachtet. Vielleicht gibt es heute zu wenig Hotelzimmer mit Nachttischschubladen. An Bibeln als solchen herrscht jedenfalls kein Mangel. Der Evangelische Pressedienst hat schon vor Jahren beim Gideonbund nachgefragt, der sich um den Nachschub kümmert. Zumindest in Deutschland, hieß es da, sei die Zahl der von Hotels bestellten Bibeln von 48 000 Exemplaren 2006 auf 26 000 im Jahr 2016 zurückgegangen.

A n der Kopfseite des opulenten Bettes ist außerdem eine Madonna mit Kind montiert. Sie schaut nachdenklich in die imaginäre Ferne, vermittelt aber doch blitzartig eine plastische Vorstellung davon, wie die Kirche Einfluss auf die Vorgänge im heimischen Bett zu nehmen versuchte.

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