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Schon vor 500 Jahren waren Bücher an Bord. Sie gehören zum leichten Gepäck.

Times Mager

Horizonte

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Ein Fenster in die Welt um 1517 - auf Reisen mit dabei damals, schon vor 500 Jahren, Bücher.

Um 1500 begibt sich ein Teil der Menschheit auf große Fahrt. Viele Zeitgenossen schiffen sich ins Ungewisse ein, und das geschieht sehr bewusst. Man kann sich das Wagnis als heutiger Zeitgenosse nur noch schlecht vorstellen. Um es sich immerhin ein wenig vorstellen zu können, gibt es sehr viele Filme. Natürlich existieren zum Thema auch Bücher. Ob sie beim Rückblick auf die Welt vor 500 Jahren eine Rolle spielen, hing zuletzt stark davon ab, ob Menschen sich noch vorstellen können, auch zwischen zwei Buchdeckeln und nicht vor einem Bildschirm oder einer Leinwand auf eine Zeitreise gehen zu können. Praktisch auf große Fahrt (inkl. retour in die Gegenwart; kein Problem bei Zeitreisen).

Mit dabei sind damals, schon vor 500 Jahren, Bücher. Sie gehören zum leichten Gepäck. Wobei sie zumeist so geschrieben sind, dass sie nicht so sehr der Unterhaltung dienen (denn der Amerikaroman ist noch nicht entdeckt, die Ostindiennovelle unbekanntes Terrain). Auf einer Karavelle wird vor allem das Sachbuch mitgeführt, Orientierungshilfe auf Übersee – Überlebenshilfe.

Das Buch öffnet sich neuen Welten, es überschreitet Horizonte, auch in den eigenen vier Wänden ist es dabei, wenn so mit Horizonten verfahren wird. Sie werden niedergerissen. Um einer Vorstellung aufzuhelfen, wie es ist, sich auf einem Schiff aufzumachen, nehmen auch die Illustrationen zu. Sie sprechen nicht nur in abenteuerlichen Bildern, sondern in fantasiereichen Sinnbildern. Es liegt nicht in ihrer Absicht realistisch zu sein, denn sie sind allegorisch gedacht.

Wenn die Sinnbilder auf einem Schiff, und es handelt sich um so einen neuen Schiffstyp wie die Karavelle, nicht etwa eine Schiffsbesatzung zusammenbringen, sondern eine Bevölkerung, ein „Staatsschiff“ und kein „Narrenschiff“ (wie 1494 in Sebastian Brants Moralsatire), dann zeigt sich darin ein großes Vertrauen.

Neben dem großen Vertrauen offenbart sich aber auch ein grenzenloses Vertrauen, zusammengeballt auf den wenigen Quadratmetern eines Schiffs. Das ist dann auch realistisch gesehen, trotz der allegorischen Darstellung, die eine Welt in einer Nussschale zeigt. Zum großen Aufbruch steht man dicht gedrängt. Wie die Zusammengepferchten die Nussschale bevölkern, tendiert die Karavelle ein wenig zum Turmbau.

Weil man an den von Babel denkt? Es so zu sehen, ist wohl nicht übertrieben. Auch ist unabweisbar, dass eine Gesellschaft, die sich auf diesen Allegorien einer echten Herausforderung gegenübersieht, zusammenrückt. All die Sinnbilder, die es vom Schiffbruch gibt, standen auf einem anderen Blatt.

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