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Horch

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Von: Stephan Hebel

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Wenn Sie unter einer schweren Gender-Allergie leiden, beenden Sie bitte die Lektüre dieses Textes sofort.
Wenn Sie unter einer schweren Gender-Allergie leiden, beenden Sie bitte die Lektüre dieses Textes sofort. © Sebastian Gollnow/dpa

Herr B. fühlt sich von der Richtlinie des Audi-Konzerns zur gendergerechten Sprache diskriminiert. Herr B. fürchtet gesundheitliche Probleme. Wir auch.

Bitte beachten Sie zunächst folgenden Hinweis: Wenn Sie unter einer schweren Gender-Allergie leiden, beenden Sie bitte die Lektüre dieses Textes sofort. Zumindest fragen Sie vor dem Weiterlesen Ihren Arzt oder Apotheker, aber auf keinen Fall Ihre:n Ärzt:in oder Apotheker:in. Übrigens: Gendern kann manchmal wirklich furchtbar sein, aber – auch wenn Sie das nicht beruhigen wird – in der Regel nicht tödlich. Vielen Dank.

Zur Sache: Mit ihr ist schon deshalb nicht zu spaßen, weil Herr B. sich nach eigener Aussage nicht nur „massiv diskriminiert“ fühlt, sondern auch in seiner „persönlichen Gesundheit“ bedroht. Wir hatten auch schon um seine „persönliche Gesundheit“ gefürchtet, als wir lasen, dass er vor Gericht gegen die Richtlinien des Audi-Konzerns zur gendergerechten Sprache klagt. Aber natürlich findet Herr B. nicht sein doch sehr offensives Vorgehen ungesund, sondern das Gendern als solches.

Wie gesagt: Gendern kann tatsächlich etwas Furchtbares sein. Vor allem, wenn schreibende Menschen ihre Texte durch plumpes Befolgen viel zu simpler Regeln verhunzen. So war es auch in dem Schreiben, das B., einem Mitarbeiter von Volkswagen, nach dessen Aussage vorlag: „Der_die BSM-Expertin ist qualifizierte_r Fachexpert_in.“ Das Schreiben kam von Audi, deshalb die Klage gegen die Volkswagen-Tochter. Aber unter uns: Sprachverhunzung ist kein Vorrecht der Gendernden bzw. Genderer:innen, Sprachverhunzung geht immer, lesen Sie nur mal Ihre Mails.

Noch ist nicht erschöpfend erforscht, warum Störungen alltäglicher Gemütlichkeit wie Kriege, Hitzewellen, Überflutungen und Ähnliches offensichtlich weniger Wut auslösen als die Verwendung einer gendergerechten Sprache. Zusätzlich allerdings muss nun erforscht werden, warum eine solche Sprache die Gesundheit eines Menschen offenbar mehr gefährdet als Nitrat im Gemüse und Antibiotika im Schwein. Aber vielleicht hat Herr B. auch dagegen geklagt, wer weiß es schon.

Nun fragt sich, wie dem kränkelnden Herrn B. geholfen werden kann. Audi umbenennen? Das Wort ist ja bekanntlich lateinisch und heißt „Horch“ zwar nur wegen Herrn Horch, der das Unternehmen einst gründete. Aber würde es nicht schon helfen, wenn Herr B. sich nicht ständig aufgefordert fühlen müsste, beim gendergerechten Reden mithorchen zu müssen?

Oder hülfe vielleicht ein Warnhinweis auf allen Fahrzeugen der Marke Audi, so ähnlich wie auf den Zigarettenschachteln? „Liebe Verkehrsteilnehmer:innen, Gendern gefährdet Ihre Gesundheit“?

Nein, alles nur Krücken, es gibt nur eins: Ende Gegender! Herr B., Deutschland steht geschlossen hinter Ihnen – wie ein Mann.

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