„Wälder des Mittleren Erzgebirge stellen eine Herausforderung dar“
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„Wälder des Mittleren Erzgebirge stellen eine Herausforderung dar“

Times mager

Holz

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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„Wie haamlich klingst du doch, du deitsche Mottersproch!“ Eine solide Recherche zum Erzgebirge.

Aus dem Erzgebirge ist über einen bemerkenswerten Vorgang zu berichten, den die Deutsche Presseagentur schon im Vorfeld zur Kenntnis genommen hatte: „Abtransport von 1500 Kubikmeter geschädigtes Holz durch den Borkenkäfer“.

Das Ganze fand in Pockau-Lengefeld statt, von wo die Deutsche Presseagentur sonst eher selten berichtet, ganz im Gegensatz zur „Freien Presse“ (bzw. der gleichnamigen Zeitung), die mal Unerfreuliches zu vermelden hat („Kradfahrer fährt in Muffelwild“) und mal Erfreuliches („Stadt ebnet Weg für zwei Großprojekte“, „Fördermittel für Großprojekt genehmigt“).

Das macht schon insgesamt drei Großprojekte (Stadtarchiv, Schulausbau, Feuerwehrdepot Pockau), die „grundhafte Sanierung“ des Freibads nicht mitgerechnet. Und der Kradfahrer, der „kurz vor dem Ortsteil Nennigmühle mit einer Herde Mufflons zusammengestoßen“ war, „die die Straße überquerte“, ist offenbar wohlauf, seine Sozia nur leicht verletzt.

Ja, glückliches Erzgebirge, wo das Mufflon die Sozia nur touchiert und der Borkenkäfer das Holz transportiert! Wie heißt es doch im Lied „Arzgebirg, wie bist du schie!“: „Be Tog on Nacht, obnd oder früh, / wie haamlich klingst du doch, du deitsche Mottersproch!“ Was sicher nicht bedeuten soll, dass rund um Pockau-Lengefeld nur heimlich Deutsch gesprochen wird. Eher heimelig, auch wenn es sich hier eindeutig um eine Geschmackssache handelt.

Nun muss hinzugefügt werden, dass in der erwähnten Gegend eine Medienvielfalt herrscht, denn neben der „Freien Presse“, die zu den außergewöhnlichen Leistungen örtlicher Borkenkäfer schweigt (Mainstream? Zensur?), und der Deutschen Presseagentur, die nur allzu selten einen Blick nach Pockau-Lengefeld wirft, gibt es auch noch „Blick.de“. Gleicher Verlag wie die „Freie Presse“, klar, man berichtet ja heute gern konzentriert, aber mit einem Text, der wahrscheinlich die Wahrheit enthält.

Um es kurz zu machen: Es waren gar nicht die Borkenkäfer, die das schwere Zeug trugen. „Züge mit Borkenkäfer-Holz rollen aus dem Erzgebirge“, meldet „Blick.de“. Es hat also alles seine traurige Ordnung: Borkenkäfer befällt Holz, Holz tot, Baum gefällt und ab ins Sägewerk. Oder, wie es bei „Blick.de“ heißt: „Wälder des Mittleren Erzgebirge stellen eine Herausforderung dar“.

Und doch, es gibt doppelten Trost. Erstens: “,Der Transport von Holz auf der Schiene hat … große ökologische Vorteile durch die vergleichsweise geringen Emissionen‘, unterstrich Umweltstaatssekretärin Gisela Reetz.“ Zweitens: Der Verladebereich des Bahnhofs Pockau-Lengefeld wurde reaktiviert. Darüber kann man sich doch einfach mal freuen.

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