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Oliver Kahn, selbstständig denkender TV-Experte

Times mager

O Kahn!

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Jetzt also, denn Hoeneß tritt heute endgültig zurück, soll Oliver Kahn die Lücke schließen. So jedenfalls spekuliert man. Die Kolumne „Times mager“.

Auf den Hitzkopf folgt, so ist es gedacht, der Philosoph auf einen der beiden wichtigsten Throne des FC Bayern München. Von hier, seinem Thron aus, fuhr immer wieder und wieder ein Uli Hoeneß dazwischen, ob als Manager oder Präsident oder als ein Uli Hoeneß, ob in dieser oder in jener Funktion. Oder in der dritten Person, als Verkörperung einer hochherrscherlichen Position. Und schon gab es kein Halten mehr, es galt dann der Imperativ Attacke. Kategorisch dabei ausgeschlossen jeder Gedanke, ob das denn alles womöglich so richtig sei, angefangen damit, dass man die Menschenwürde eines Fußballers und oder auch nur Mitmenschen nicht etwa achtet, sondern, nur weil es naheliegt im Geschäft, wie mit Füßen behandelt. Es ging rustikal zu oder selbstherrlich-feudal - wie auch immer.

Hoeneß-Rücktritt: „Dominant, attraktiv, nach vorne“

Jetzt also, denn Hoeneß tritt heute endgültig zurück, soll Oliver Kahn die Lücke schließen. So jedenfalls spekuliert man, und Kahn hat bereits angedeutet, dass er nicht in ein Vakuum vorstoßen will, denn zum Dasein des FC Bayern gehört die Dominanz. Wo aber Dominanz herrscht, existiert keine Leere, nicht das Nichts. Mit anderen Worten Kahn: „Das gehört zur Philosophie des FC Bayern: dominant, attraktiv, nach vorne.“

Auf den Hitzkopf, das war die Hypothese hier, folgt also der Philosoph, was sicherlich nicht erstaunlich ist, hat sich doch Kahn für den Posten des Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern in den letzten Jahren als selbstständig denkender TV-Experte unfassbar bewährt, als eine autonome Instanz, dabei insbesondere zwei Dinge ununterbrochen anmahnend, Aggressivität und mentale Stärke.

„Weiter, immer weiter!“

Beides ist nicht jedem Menschen gegeben. Um sich hin zu einem Mentalitätsmonster auszumendeln, muss der Mensch über seine Grenzen hinausgehen, ständig. Kahn vermochte das, ununterbrochen. Er brachte halt stets eine schier unglaubliche Aggressivität mit. Man erinnere sich nur an seinen Auftritt, als er einen nicht mehr erwarteten Triumph zum Anlass nahm, aus seinem Strafraum zu stürmen – was hatte er jetzt wieder vor, fragte man sich (mehr bang als gebannt). Und schon sah man, wie Kahn eine Eckfahne radikal infrage stellte, denn sonst hätte er die Fahne nicht bei den Wurzeln herausgerissen und dabei ausgerufen: „Weiter, immer weiter!“

Irre, das war komplett irre. Obwohl gerade Philosophen wissen, dass Philosophie mit dem Staunen über die Welt anfängt. Philosophieren heißt Fragen zu stellen, und kaum gibt es eine Antwort, neue Fragen zu stellen (und immer weiter und so fort). Ja, beim Fußball handelt es sich um die ruhelose Beschäftigung mit dem runden Leder – und die Philosophie ist eine Form der ruhelosen Beschäftigung mit einem Dasein, das wahrhaftig nicht rund läuft. Ein unfassbarer Vergleich, einer, der komplett irre ist. Der sogar, logisch, in die Irre führt, weiter, immer weiter, dorthin, wo sich nur noch die Mentalitätsmonster pudelwohl fühlen.

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