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Hoehepunkt

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Von: Judith von Sternburg

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Beharrliche Nachrichten auf dem Anrufbeantworter.
Beharrliche Nachrichten auf dem Anrufbeantworter. © Peter Kneffel/dpa

Irrläufer: Nachrichten vom FBI, von einer fremden Frau und von einer Firma, die es gut mit dem Feuilleton meint.

Auch dieses Wochenende beinhaltete merkwürdige Begegnungen in jener ungreifbaren Sphäre, die früher Äther genannt wurde. Erstens meldete sich mehrfach das FBI am Telefon mit wichtigen Nachrichten und der dringlichen, in einem filmreifen Amerikanisch vorgetragenen Aufforderung, unbedingt am Apparat zu bleiben. Es ist für Angsthasen nicht einfach, trotzdem schnell aufzulegen, andererseits sind auch Angsthasen neuerdings nicht mehr von gestern. Sollte das FBI also ein ernsthaftes Anliegen haben, sollte es sich bitte geduldig noch einmal melden und versuchen, etwas seriöser dabei zu wirken. Mir ist klar, dass das schwierig ist.

Zweitens rief dreimal eine fremde Frau an und sprach beharrlich auf den Anrufbeantworter. In einem Falle war die Leitung übrigens gerade durch das FBI ersetzt. Die fremde Frau erinnerte zunächst an die Einnahme einer bestimmten Tablette, auch sie habe die ihre gerade genommen. Beim zweiten Mal bat sie um Rückruf. Beim dritten Mal erklärte sie, sie sei nun gleich da. Im Haushalt gingen die Meinungen – anders als bei der FBI-Angelegenheit – auseinander. P. erklärte, die Frau sei offenbar jenseits von Gut und Böse; kein Wunder, dass sie selbst angesichts der deutlichen Namensnennung auf der Anrufbeantworteransage penetrant beim Anwählen des falschen Anschlusses bleibe. T. hingegen fand die Stimme so sympathisch und jugendlich oder jung geblieben, dass sie sich gefreut hätte, mit der fremden Frau zu sprechen. S. sah sich in einem paranormalen Kriminalfall und fiel vor Schreck vom Stuhl, als es später schellte. Waren bloß Klingeklopper. Oder Klingelklopperinnen.

Am frühen Montagmorgen dann wieder eine vertraute Lage in den Postfächern des Ressorts. „Guten Abend feuilleton, feuilleton, es muss grausam gewesen sein, wenn im Bett nichts mehr geht und Sie nichts dagegen unternehmen konnten, wie es in anderen Zeiten normal war.“ – „Guten Tag feuilleton, feuilleton, es macht einen krank, wenn die Manneskraft schwindet und man hilflos dem ausgesetzt war, so wie es frueher der Fall war. Heutzutage ist das erfreulicherweise anders, denn Schwierigkeiten mit der Erektion sind mit Arzneimitteln direkt und angenehm zu beheben und muessen nicht mehr sein! Auch der vorzeitige Hoehepunkt wird durch die Testsieger-Praeparate vorgebeugt.“

Sogar die FBI-Anrufe, muss man sagen, sind gegen solche Angebote echte Knaller. Diese gewinnen lediglich dadurch an Fahrt, dass das Feuilleton selten so direkt und persönlich angesprochen wird; Feuilleton, ein schönes Wort für die schönste Sache der Welt. Das Feuilleton selbst hat taube Ohren dabei, gelungene Höhepunkte sind seine Spezialität.

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