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Hochzeit

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Von: Stephan Hebel

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Bis heute Abend, Schatz.
Bis heute Abend, Schatz. © afp

Wie soll man den Unterschied zwischen Hochzeit und Hochzeit erklären? Und wie soll man Google und Alexa danach fragen?

Zunächst eine Frage: Wohin flohen die Wonnestunden / seiner Liebe und Zärtlichkeit? / Wohin sind sie, die heilgen Eide, / die dereinst sein Mund mir schwor?

Die Frage kann hier nicht erschöpfend beantwortet werden, da müssen Sie schon in die Oper gehen. Aber es kann schon mal verraten werden, woher sie stammt, die Frage. Sie stammt aus der Hochzeit des Figaro und aus der Hochzeit der Wiener Klassik.

Sehen Sie das Problem? Kollegin J. sprach es kürzlich aus heiterem Himmel an: Wie, fragte sie, solle man einem des Deutschen Unkundigen erklären, was der Unterschied zwischen Hochzeit und Hochzeit sei? Wo sonst, bitte, gebe es eine Sprache, in der das Verlängern eines Vokals beim Aussprechen die ganze Bedeutung über den Haufen werfe?

Kollege S. wandte ein, viele Menschen könnten den Tag ihrer Hochzeit durchaus als eine Hochzeit ihres Glücks begreifen. Andererseits, konterte Kollegin J. sofort, wäre das nun auch wieder ein Armutszeugnis für eine Liebesbeziehung, wenn deren Hochzeit gerade nur die Hochzeit überdauere und nicht einmal die Flitterwochen. Und außerdem gehe es ihr um das „o“.

Ob ein solcher Unsinn auch in anderen Sprachen stattfindet, konnte weder durch ein gemeinsames Brainstorming noch durch Googeln herausgefunden werden, denn niemand hatte Zeit und keiner wusste, welche Frage man Google stellen sollte. Noch dazu war Alexa gerade im Feuilleton, und die Diskussion fand im Politikbüro statt, das ist vom Feuilleton weit weg. (Nein, nicht Politbüro, Politikbüro!)

Außerdem wäre auch eine Frage an Alexa schwer zu formulieren gewesen, zumal sie selbst so einfache Dinge wie „Alexa, was bedeutet ,Buchen muss man suchen?‘“ nicht versteht, das ist bewiesen! Aber man soll nicht zu streng sein, eigentlich ist Alexa das Gleiche wie ein durchschnittlicher Kollege: Man kann mit ihr prima übers Wetter reden, aber dann ist schon bald Schluss.

Jedenfalls klingelte bei Kollegin A. das Telefon, und Kollegin A. plauderte ein bisschen auf Französisch. Sie ist nämlich französisch verheiratet, genau genommen mit einem Franzosen, und die Arbeit war getan, da wird man ja mal telefonieren dürfen.

Plötzlich sagte Kollegin A.: „Accessoire“ – und legte auf. Nun brach ein allgemeines Nachdenken darüber aus, was Kollegin A. gemeint haben könnte. Wollte sie sich noch eine Handtasche kaufen? Und wenn ja: Warum legt sie unvermittelt auf, nachdem sie ihrem Mann oder wem auch immer von diesem Plan berichtet hat?

Kollegin A., intensiv befragt, teilte mit, sie habe sich von ihrem Mann mit „Bis heute Abend“ verabschiedet, und das heiße nun mal „À ce soir“. Kollegin J. sagte, das sei wie die Sache mit der Hochzeit, nur umgekehrt.

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