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Von: Judith von Sternburg

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„Nun glaubt uns kein Mensch, wie schön’s hier wa-haha-haha“, singt Nina Hagen in dem Lied „Du hast den Farbfilm vergessen“. Aus Wolfen in Sachsen-Anhalt kam der erste Farbfilm der Welt - von der Marke Orwo. Vor 20 Jahren musste die Firma Insolvenz anmelden. (Archivbild)
„Nun glaubt uns kein Mensch, wie schön’s hier wa-haha-haha“, singt Nina Hagen in dem Lied „Du hast den Farbfilm vergessen“. Aus Wolfen in Sachsen-Anhalt kam der erste Farbfilm der Welt - von der Marke Orwo. Vor 20 Jahren musste die Firma Insolvenz anmelden. (Archivbild) © Martin Schutt / dpa

Angela Merkel wünscht sich „Du hast den Farbfilm vergessen“ – und was haben die anderen so gehört?

Heute ein offenes Wort über Popmusik. Wer nicht direkt damit sozialisiert wurde, musste schon recht massiv konfrontiert sein, um ein Faible für einige Nummern zu entwickeln. Das war nur bei den größten Hits möglich.

„Dschingis Khan“ 1979, wir zitieren kurz aus Wikipedia: „Es handelt von dem namensgebenden mongolischen Krieger, der stärker als seine Feinde war und jede Frau bekam, die er wollte.“ Denn das Jahr 1979 ist verdammt lang her, länger als die Zeit, aus der die namensgebende Zeile „Verdamp lang her“ stammt, und viel länger als die Wikipedia-Epoche. Damals orientierte man sich am 24-bändigen Brockhaus. Wir können an dieser Stelle nicht der wichtigen Frage nachgehen, ob und inwiefern das dem Niveau der Menschheit geschadet hat. Wir müssen uns auf die Popmusik konzentrieren, sonst kommen wir ganz durcheinander.

„Der Kommissar“ 1982, der darüber aufklärte, dass es nicht nur eine unverständliche Sprache in Köln, sondern auch in Wien gab.

„Master and Servant“ und „For-ever Young“, beide 1984. Hier zeigt sich, dass ein vorurteilsfreier Umgang mit Popmusik zu ganz gemixten Resultaten jenseits der offiziellen Wertigkeiten führt.

„Twist In My Sobriety“ 1988, womit unsereiner noch gerade rechtzeitig mitbekam, dass in Wirklichkeit doch Frauen die Abgekühlten und Einsamen im Gesamtgeschehen sind.

Ungefähr auf diesem Stand fror das Ganze dann ein.

Aber warum ist das jetzt wieder alles so ein Thema? Weil jedem im Lande zwangsläufig die eigene Jugend einfiel, als Angela Merkel auf ihrer Zapfenstreich-Playlist für den Donnerstag dieser Woche das Lied „Du hast den Farbfilm vergessen“, 1974, platzierte. Wer davon womöglich noch niemals nie im Leben gehört hatte, holte das sofort nach (ja, im Internet, nicht im 24-bändigen Brockhaus). Ein flottes Lied, witzig, ironisch, aber auch geschmeidig. Nina Hagen singt als Teenagerin, die sich nicht in die Karten blicken lässt, ein guter Typ haut aufs Schlagzeug.

Als Schlagerpersiflage war es dennoch ein Schlager und passte ins DDR-Radio. Denn aus dem Lied geht hervor, dass Urlaube auf Hiddensee keine Wünsche offen lassen und es auch an Farbfilmen zumindest insgesamt nicht mangelt. Micha hätte bloß dran denken müssen, sie auch mitzunehmen. Andererseits ist eine Zeile wie „Nun glaubt uns kein Mensch, wie schön’s hier wa-haha-haha“ frech, damals wie heute. Sie eröffnet einen, äh, Denkraum.

1974 kam im Westen „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ heraus, Lodz wie Lotsch, süßes Wort, mysteriöser Ort. Auch das ein lapidares Lied über eine verbindliche, nun aber doch ungeduldige Frau und einen Mann, dem man auf die Sprünge helfen muss.

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