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In diesem Auto sitzt kein Kind - oder der Fahrer möchte den Namen des Kindes nicht in der Gegend herumkutschieren.
In diesem Auto sitzt kein Kind - oder der Fahrer möchte den Namen des Kindes nicht in der Gegend herumkutschieren. © imago stock&people

Heute: Die Rückseiten von Autos geben nicht nur Auskunft über den Abi-Jahrgang oder den favorisierten Fußballverein. Es gibt Krasseres.

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Autos informieren die hinter ihnen Reisenden über den Abitursjahrgang des Fahrzeughalters / der Fahrzeughalterin, über deren den bevorzugten Fußballclub und manchmal auch über Zahl und Namen der Kinder, für die es vorsichtig zu fahren gilt. Letzteres ist meistens Kleingedrucktes und dadurch ehrlich gesagt etwas gefährlich. Denn einerseits denkt man immer: Ist mir doch wurscht. Andererseits stellt sich sofort die Frage, was davon zu halten ist, wenn ein Mensch mit einem Abitursjahrgangswagen 1996 herumfährt (und bekommt man diese Buchstaben denn nicht ab?), oder ob die Namenswahl Sophie und Soraya noch eigenwillig oder womöglich bereits ausschließlich exaltiert ist.

Und dann kommen plötzlich mal wieder solche Sachen.

„Achten Sie bei diesen Kurven besonders auf den Verkehr“ Das steht natürlich auf einem Laster und dazu ist natürlich eine Frau zu sehen und das ist natürlich eine Werbung, die beim Deutschen Werberat vermutlich schon eingereicht worden ist. Trotzdem ist es ärgerlich, wenn Männer zu Simpeln gemacht werden.

„Todesstrafe für Kinderschänder“ Das ist ein regelrechter Nazislogan, wie die Polizei im Internet informiert und die Amadeu Antonio Stiftung in der Broschüre „Instrumentalisierung des Themas sexueller Missbrauch durch Neonazis“. Es ist nicht einmal besonders neu, aber womöglich erschreckt man sich trotzdem. Die Polizei versucht neben glasklarer Kritik auch mit vernünftigen Argumenten dagegen anzugehen. Zum Beispiel: Ist es ermutigend für ein Kind, den eigenen Vater anzuzeigen, wenn diesem darauf die Todesstrafe droht? Argumente haben in bestimmten Situationen zwar etwas Rührendes, aber sie sind immer besser als bloße Verzweiflungsanfälle auf der Autobahn.

„Rauchen tötet“ Das ist irgendwie überraschend auf einem Objekt, das zwar ebenfalls eine Schachtel ist, aber nicht per se Zigaretten enthält. Sollte Ironie hier eine Rolle spielen?

„Nie mehr zweite Liga“ Das liest sich auf einem Frankfurter Wagen in diesen Tagen niederschmetternd (nein, man bekommt die Buchstaben offenbar wirklich nicht ab). Sollte Zynismus hier eine Rolle spielen?

„Erika, du Sau“ Ja, nun, das ist seltsam, zumal es ein großer Zufall wäre, wenn ausgerechnet Erika jetzt hier im Auto säße.

Insgesamt ist die Zahl der Aufkleber auf Autos in den vergangenen vierzig Jahren signifikant gesunken, wenn auch nicht ganz so drastisch wie die Zahl der farblich aufgeweckten Toilettenpapierrollenumhäkelungen. Für sie muss es im Jenseits der stofflichen Welt eine gewaltige Halde geben.

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