1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Hier ziehen!

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sandra Danicke

Kommentare

Das Leben könnte so schön sein ... wenn alles einen Klettverschluss hätte, auch das Toilettenpapier.
Das Leben könnte so schön sein ... wenn alles einen Klettverschluss hätte, auch das Toilettenpapier. © Annette Riedl/dpa

Haben Sie schon mal versucht, ein Zehnerpack Toilettenpapier aufzukriegen? Dann wissen Sie ja, worauf die Menschheit gewartet hat.

Über Toilettenpapier wurde in den vergangenen zweieinhalb Jahren häufig geschrieben. Was nicht geschrieben wurde: Wie kriegt man die Packung auf? Die Mehrheit kauft das Toilettenpapier im Zehner- oder Zwölferpack. Da dieses (bisher!) keinen Schraubverschluss oder eine andere Vorrichtung zum Öffnen besaß, war man auf sich allein gestellt. Manch eine mag eine Schere zum Einsatz gebracht haben. Aber wie umständlich ist das? Man hat ja in der Toilette eine Schere allenfalls im Verbandskasten, muss also entweder erst in die Küche oder ins Arbeitszimmer laufen – ach nein, die Arbeitszimmerschere ist ja nur für Papier gedacht, bei Plastikfolie klemmt sie, also dann doch in die Küche – und hinterher wieder zurück. Oder den Verbandskasten auffummeln (und dann feststellen, dass da gar keine Schere drin ist, weil man sie letzthin – ach egal).

Andere lösen das Problem mit Gewalt: Sie reißen die Folie mit den Händen auf (was oft schwieriger geht, als gedacht (Obacht bei angeklebten Fingernägeln!)). Man muss bisweilen so viel Kraft aufwenden, dass die Sache außer Kontrolle gerät und man zu doll reißt. Dann ist die ganze Packung kaputt. Sofern man nicht plant, alle Rollen auf einmal herauszunehmen, ist das ungünstig, aber nun ja – wir hatten uns dran gewöhnt.

Manche Dinge im Leben sind eben schlichtweg nicht lösbar. Nehmen wir die 1,5-Liter-Colaflasche: Sofern man sie nicht am Stück austrinkt, bleibt immer ein fader Rest in der Flasche, weil sich die Kohlensäure verdünnisiert. Man könnte natürlich eine kleinere Flasche kaufen, aber man weiß ja nicht, ob nicht noch Cousin Erwin spontan zu Besuch kommt, und dann würde es knapp. Oder die Ananas: Könnten sie die nicht mal mit einer Banane kreuzen? Wegen der Verpackung, die bei Bananen so praktisch und bei Ananas so unpraktisch ist. Nur mal so als Anregung.

Beim Toilettenpapier – Sie ahnen es seit Zeile acht – hat die Industrie endlich ein Einsehen gehabt und eine perforierte Linie auf der Verpackung eingeführt. Naturgemäß wissen Klopapiernutzerinnen und -nutzer, wozu perforierte Linien da sind. Weil man sie aber an dieser Stelle nicht gewöhnt ist, ist daneben ein Pfeil aufgedruckt. Um ganz sicher zu gehen, steht neben dem Pfeil in fetten Buchstaben „Hier ziehen!“ und – falls sich jemand fragen sollte: „Wozu soll ich in Herrgotts Namen hier ziehen?“ – noch eine Zusatzerklärung: „Einfach und schnell öffnen!“ Danke!

Auch interessant

Kommentare