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Nichts wie weg.

Times mager

Herzklopfen

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Was der „Dachshausener Bote“ kürzlich meldete: „Traue niemals einem Menschen“. Die Feuilleton-Kolumne.

Es war die Schlagzeile, die das Times mager, das der Landwirtschaft eher nicht nahe steht (eigentlich so fern steht wie, sagen wir, dem Tubaspiel oder der Taubenzucht), für die Beilage einer irischen Tageszeitung gewann: „Traue niemals einer Kuh“. Dazu das Bild eines lässig an einem Fahrzeug lehnenden, wettergegerbten „Altfarmers“ (so die Bildunterschrift), der zum wichtigen Thema Sicherheit auf dem Bauernhof befragt worden war. Beziehungsweise der eine Geschichte erzählte, in der ihn eine Kuh trat. Das Fazit: „Du kannst alle Sicherheitsvorkehrungen der Welt haben – aber traue keiner Kuh.“ Von anderen Tieren sagte der Mann nichts, Elchen zum Beispiel. Und sagen Sie jetzt nicht, Elche seien auf irischen Weiden ungefähr so verbreitet wie Einhörner. Es gilt schließlich, auf alles vorbereitet zu sein.

Zum Beispiel auf komplexe Gefühle bei Ziegen. Die Ziegen können sich diese untereinander per Meckern mitteilen; nur der Mensch kriegt wieder nichts mit. Oder braucht jedenfalls dafür, also fürs Mitkriegen, eine veritable Versuchsanordnung. Wissenschaftler an der ETH Zürich haben Ziegisch aufgezeichnet, wenn die Tiere glücklich waren (Futtern mit der ganzen Herde) und wenn sie gefrustet waren (zusehen müssen, während die Herde fröhlich frisst). Das jeweilige Meckern wurde dann anderen Ziegen vorgespielt und deren körperliche Reaktion gemessen. Und siehe, diese bekamen Herzklopfen, wenn sie hörten, dass in ihrer Nähe frische Blättchen winkten.

Tiere brauchen keinen Puls- oder Blutdruckmesser, sie haben in Sachen Mensch eine einfache, aus jahrtausendelanger Erfahrung gespeiste, vernünftige Regel: Nichts wie weg.

Der Biologe und Verhaltensforscher Justin Suraci installierte Lautsprecher in einem Waldstück in den kalifornischen Santa Cruz Mountains, dann spielte er entweder seine Stimme/die seiner Freundin ab oder aber das Quaken von Fröschen. So ziemlich jede dort lebende Spezies vom Berglöwen über den Luchs bis zum Opossum wurden nervös, verloren den Appetit, machten sich gar ganz davon, wenn Suraci bzw. seine Freundin zu hören waren. (Nur die Mäuse tanzten auf den, äh, Fliegenpilzen.) Das Quaken dagegen hatte keinerlei Wirkung. Es meldete sich noch nicht einmal ein Berglöwe mit der Beschwerde, er könne wegen der Frösche nicht schlafen.

Doch erfuhr das Times mager aus zuverlässiger Quelle, dass sowohl die „Opossum Globe & Mail“, das „Waschbären-Echo“ als auch der „Dachshausener Bote“ kürzlich mit der Schlagzeile aufmachten: „Traue niemals einem Menschen“.

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