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Während des amerikanischen Buergerkrieges fliehen fünf Männer in einem Ballon. Nach ihrer Bruchlandung kümmert sich Captain Nemo (Omar Sharif, 2vl) um sie und rettet sie vor Piraten.
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Während des amerikanischen Buergerkrieges fliehen fünf Männer in einem Ballon. Nach ihrer Bruchlandung kümmert sich Captain Nemo (Omar Sharif, 2vl) um sie und rettet sie vor Piraten.

Times mager

Herzbuch

Heute ist der 20. Welttag des Buches. Eine gute Gelegenheit, über Lieblingsbücher nachzudenken? Und was ist überhaupt ein Lieblingsbuch?

Zum 20. Welttag des Buches am heutigen Donnerstag gehört auch die Aktion „Mein Herzbuch!“, bei der Menschen sich im Internet mit ihrem Lieblingsbuch zeigen und aufschreiben sollen, was ihnen daran so gut gefällt.

Das ist leichter gesagt als getan, wenn auch nicht aus Sicht der 840, die schon teilgenommen haben. Sie bekennen sich vergnügt lächelnd zu „Fritzi Pferdeglück“, „Harry Potter“ und, ja, auch zu „Marketing jenseits vom Mittelmaß“. Vorgeschlagen wird, an das Lieblingsbuch der vergangenen zwanzig Jahre zu denken.

Man kann sich hier sehr schnell sehr festlesen, manchmal auch etwas schnöselig staunen. Allerdings wird das Schnöseltum von dem beunruhigenden Gefühl begleitet werden, dass die eigenen letzten Lieblingsbücher eindeutig länger als zwanzig Jahre her sind. Denn ebenso eindeutig handelt es sich um Annemarie Selinkos „Désirée“, Alexandre Dumas’ „Drei Musketiere“ und Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“.

Tränendurchtropft, angstzerknittert

Denn was genau ist ein Lieblingsbuch? „Désirée“ schlug sich von selbst an der Stelle auf, an der Jean-Baptiste Bernadotte und Désirée sich zum ersten Mal begegnen.

Aus den „Drei Musketieren“ konnten die Geschwister sinnloserweise die Szene auswendig, in der Herr von Tréville den frisch vom Lande eingetroffenen D’Artagnan (damals noch gesprochen wie geschrieben, was an Wutausbrüche in „Asterix und Obelix“ erinnerte) zum ersten Mal empfängt. Herr von Tréville war äußerst schlechter Laune, dennoch empfing er höflich den jungen Mann, der sich bis zum Boden vor ihm verbeugte ...

„20.000 Meilen unter dem Meer“ war insgesamt tränendurchtropft und angstzerknittert, und eine frühe ernsthafte Enttäuschung war es, Omar Sharif nachher bei den Großeltern heimlich im Fernsehen als Nemo zu sehen. Das lag natürlich nicht an Omar Sharif, sondern an Kapitän Nemo (besser in späteren, aber auch desillusionierteren Jahren: James Mason).

Lernen konnte man aus alledem nur, dass die Liebe groß und die Einsamkeit größer ist, dass große Nasen zu suchen und große Kraken zu meiden sind. Aus den „Drei Musketieren“ lernte man rein gar nichts und erfuhr erst Jahre danach, dass es mehr als eine Meinung über Kardinal Richelieu geben kann.

Später nämlich entwickelten sich die Dinge anders. Deutlich niveauvoller. Letzten Endes aber war das Glück nicht mehr einzuholen, dass einst das neuerliche Vornehmen der mädchenfeindlichen, politisch unkorrekten, bieder übersetzten, großartigen „Abenteuer“-Reihe von Enid Blyton begleitete. Um auch dies bei dieser Gelegenheit zu erwähnen.

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