Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gilt das Prinzip "Viel hilft viel" auch bei Emojis?
+
Gilt das Prinzip "Viel hilft viel" auch bei Emojis?

Times mager

Gib Herz!

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Beim zwischenmenschlichen Verkehr wird aufgerüstet: Mit Emojis, Herzchen, Blümchen, Käferchen, Einhörnerchen.

Schlechtes muss man mit Schlechtem austreiben“, pflegte die Großmutter zu sagen. Das vor allem in Hinblick auf die kranke Enkelin, wenn sie a) keinen Salbeitee trinken, b) keinen heißen Wickel mit gestampften, hustenbekämpfenden Kartoffeln auf der Brust haben, c) ihren Kopf nicht geduldig sechs Mal am Tag über den Kamillendampf halten wollte. Eine Anwendung des Prinzips in anderen Lebensbereichen würde etwa bedeuten, dass ein Übel wie es ein Donald T. darstellt, nur mit einem anderen, sozusagen ähnlich bitter schmeckenden Donald T. auszutreiben wäre. Ein beunruhigender Gedanke.

Das zweite großmütterliche Prinzip lautete: Viel hilft viel. Das war nicht direkt wissenschaftlich getestet, aber auch die Hausmittel waren ja nicht wissenschaftlich getestet und halfen trotzdem. Besonders die Kartoffeln übrigens.

Das Prinzip „Viel hilft viel“ findet im modernen zwischenmenschlichen Verkehr zunehmend Anwendung. Ein Beispiel: Man gratuliert einer entfernteren Bekannten mit einer SMS zum Geburtstag, zurück kommt ein Dank, dass man an sie gedacht hat, plus: acht rote Herzchen, drei Marienkäfer, zwei Smileys, die zwinkern, nochmal zwei rote Herzchen, drei Smileys, die lachen, vier Blümchen. Das Einhorn nicht zu vergessen, drei Mal. Sofort fühlt man sich schäbig, weil man seiner Gratulation kein einziges Emoji, Blümchen, Marienkäferchen beigefügt hat. Wie schäbig ist das denn? Man nimmt sich vor, dass es nächstes Mal mindestens der nette Pandabär, das Häschen, die Hummel und vielleicht ein Schmetterling sein müssen. Oder lieber die Raupe?

Beim Einkauf in einer Filiale einer Schweizer Supermarkt-Kette passierte es dann, dass die Kassiererin zuletzt vier Plastikbeutelchen auf den Einkauf legte. Man hielt das für Hustenbonbon-Proben, in den Päckchen steckten aber dreidimensionale Emojis, eine winzige Rakete darunter (eine Rakete?). Was ist das?, wollte also der alte Herr wissen, mit dem man wegen familiärer Bande auf Reisen war.

Man begann zu stammeln. Von Symbolen für Stimmungen, Gefühle. Freundschaftszeichen. Begeisterung. Quicken Grüßen. Bequemlichkeit, gewiss auch das. Warum, unterbrach der alte Herr kühl, sollte man eine Herzchenschlange anfügen, wenn man bereits in Worte gefasst hat, dass man die Person mag und ihr alles Gute wünscht? Das sei doch, argumentierte der alte Herr, eine Art Aufrüstung. Nur dass die im Grund keiner gut fände. Außer der neue US-Präsident.

Das brachte einen in Verlegenheit. Und es fiel einem nur ein, sich auf Großmutter zu berufen: Viel hilft vielleicht viel. Der alte Herr schien nicht überzeugt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare