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Herren

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Von: Stephan Hebel

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Der „Tag der Entscheidung“ hat begonnen!
Der „Tag der Entscheidung“ hat begonnen! © Maciej Olszewski/Imago

Unter Menschen, die täglich Entscheidungen treffen und darum auch am „Tag der Entscheidung“ teilnehmen sollten.

Liebe/r Herr Leser, wir möchten Ihnen heute einen unfassbar coolen Mann vorstellen. Selbstverständlich sind auch Sie, liebe/r Frau Leserin, gemeint, aber wir wollten es uns nicht nehmen lassen, denjenigen Teil der Leserschaft nach dem Originalvorbild anzusprechen, der sich wenn auch nicht unbedingt als männlich, so doch zumindest als „Herr“ bezeichnen lassen darf.

„Liebe/r Herr Stephan Hebel“, schrieb dieser Tage der/die Herr Dr. Thorsten Klein, und für einen kurzen Moment überfiel uns der Gedanke, Dr. Thorsten Klein habe sich in Sachen Gendern noch nicht so recht entscheiden können. Aber das war dann auch egal, als er (?) fortfuhr: „Sie (der meinte mich!, Anm. d. Red.) treffen täglich Entscheidungen – und meistens sind sie richtig“.

Das hört man aber gern, dachte da der gelegentlich unentschiedene Empfänger, auch wenn die Bekanntschaft mit dem/der Herrn Dr. Thorsten Klein nach bisherigem Erinnern nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Aber so perfekt, schoss es dem nun enttäuschten Empfänger beim Weiterlesen durch den Kopf, bin ich dann wohl doch nicht, denn ich soll am „Tag der Entscheidung“ teilnehmen, offenbar weil ich selber noch kein erfolgreicher Entscheider bin: „Sie lernen aus der Vita erfolgreicher Entscheider.“ Der „Tag der Entscheidung“, das für alle Interessierten, beginnt um 9.30 Uhr und endet um 16.15 Uhr mit einem „freiwilligen (!, Anm. d. Red.) Get-Together mit Austausch (!, Anm. d. red.) und Networking“. Für 549.- Euro sind Sie dabei.

„Entscheider“ (als „Speaker“ treten ausschließlich Herren auf) ist eigentlich ein sehr schöner Beruf, und prompt schießt ein noch etwas unentschiedener Gedanke durch den Kopf: Wie wäre es, sich auf seine alten Tage als Entscheider über Rohrbrüche zu betätigen? Halteverbotsschilder wie kürzlich in der Nachbarschaft aufzustellen, an denen ein Zettel klebt mit der Aufschrift, das Halteverbot gelte am soundsovielten soundsovielten „ab 6.30 Uhr: Rohrbruch“? Ist es nicht beruhigend, dass das öffentliche Geschehen, sogar das unterirdische, in unserem Lande immer noch auf die halbe Stunde genau geplant wird? Wer möchte da nicht dabei sein?

Aber wir schweifen ab. Und stellen uns vor, wie Dr. Thorsten Klein, ehemaliger Sprecher der noch ehemaligeren saarländischen Ministerpräsident/in Annegret Kramp-Karrenbauer, eine Mail an den/die liebe/n Herrn Putin schreibt: „Lassen Sie sich inspirieren … Sie lernen andere Aspekte kennen – mit Aha-Effekt ... Sie wechseln Ihre Perspektive.“ Nein, das macht Dr. Thorsten Klein natürlich nicht, seine Interessen liegen woanders, mittelständische Unternehmen und so.

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