1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Herbstputz

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sylvia Staude

Kommentare

Man muss sich im Winter 22/23 irgendwie warmhalten.
Man muss sich im Winter 22/23 irgendwie warmhalten. © Monika Skolimowska/dpa

Frühjahrsputz? Keine Zeit! Besseres vor! Aber wie wäre es mit Herbstputz, die ideale Jahreszeit dafür. Die Kolumne „Times mager“.

Wenn eigentlich der Frühjahrsputz angesagt ist (im Frühjahr oder wenigstens in Frühjahrsnähe), hat der Mensch meist Dringenderes zu tun. Oder wenn das Betreffende nicht dringend, wenn es nicht geradezu unaufschiebbar ist – zum Friseur gehen, zur Waschstraße fahren, zum Waldrand gehen und nachsehen, ob Leberblümchen und Buschwindröschen schon … –, dann ist es zumindest irgendwie besser. Und zu „irgendwie besser“ zählt im Frühjahr alles, was nicht zum Komplex Putzen und Aufräumen gehört. Oder sagen wir: fast alles. Tatsächlich würden die meisten Leute das Fensterputzen wahrscheinlich dem Zahnarztbesuch vorziehen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wenn der Sommerputz angesagt ist … fällt der Menschenfrau vielleicht gerade noch rechtzeitig ein, ehe sie den Wischmopp aus der Abstellkammer holt, die Gardinen abhängt, um sie einzuweichen, die Knöpfe sortiert, falls sie doch einmal einen Knopf würde annähen wollen, fällt ihr also noch ein, dass es das Konzept „Sommerputz“ nicht gibt. Schon Steinzeitler und Steinzeitlerinnen waren so vernünftig, die Sinnlosigkeit eines Saubermachens im Sommer einzusehen, wenn immer noch reifere Beeren über das Bärenfell kullern und Läuse Hochzeit feiern. (Und das mit den Zähnen war eh noch kein Problem, die fielen halt aus. Eine Welt ganz ohne Zähne, so schrieb Axel Hacke kürzlich, wäre sowieso eine bessere, eine friedlichere Welt. Siehe Hund und Hai. Siehe Schmerzen und Bohrer.)

So kommen wir nun zu Herbst- und Winterputz. Man ist viel zu Hause. Man muss sich im Winter 22/23 irgendwie warmhalten. Und weil zum Beispiel das Staubsaugen auch Strom kostet, kann man das Sparsame mit dem Nützlichen verbinden und die Wohnung turbosaugen. Je schneller, desto prima. Zusätzlicher Vorteil: Da es spätestens um 17 Uhr dunkel wird, sehen Sie nicht mehr, wie viele Wollmäuse Sie verpasst haben.

Und: Selbst bei wenig Licht können Sie immer noch weiter ausmisten, sich von Ballast befreien nach den Prinzipien Marie Kondos. Sie können tokimeko, die freudige Aufregung während der Befreiung, sogar umso besser empfinden, wenn Sie unter anderem Papier, das Ihr Leben sinnlos belastet, unbesehen wegwerfen. Und wenn da die Aufforderung zur Grundsteuererklärung dabei ist und die Rechnung der Zahnärztin – denken Sie daran, dass Sie laut Marie Kondo nur die Dinge behalten sollen, die Sie glücklich machen. Oder Sie falten aus der Aufforderung zur Grundsteuererklärung einen Dinosaurier und aus der Rechnung der Zahnärztin einen Kranich.

Auch interessant

Kommentare