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Wer keine Platz mehr auf der Straße findet, steigt in die U-Bahn.
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Wer keine Platz mehr auf der Straße findet, steigt in die U-Bahn.

Times mager

Heranarbeiten

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Der Großstadtmensch, der auf den Straßen keinen Platz mehr findet, pendelt, zum Beispiel mittels U-Bahn.

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Auf dem Weg zur Arbeit. Zunächst ein paar Schritte, dann weiter mit der Bahn, dann noch mal mit der Bahn. Das ist, sagt sich der Nahverkehrsteilnehmer, allerdings ein himmelweiter Unterschied, denn eine U-Bahn ist ja keine Straßenbahn, auch wenn es in Frankfurt gelegentlich so ist, dass U-Bahnen zusätzlich oberirdisch auftauchen.

Verkehrsteilnehmer machen sich vieles vor und von nicht wenigen Erscheinungen falsche Vorstellungen. Frankfurt ist mit der U-Bahn nun schon seit längerem vertraut, das bedeutet nicht, dass das Vertraute mit dem Verkehrsmittel U-Bahn wie in London, Paris oder Budapest bis ins 19. Jahrhundert zurückreichte, das nun wahrhaftig nicht – wurde doch die erste Etappe, 8,2 Kilometer, am 4. Oktober 1968 in Frankfurt eingeweiht. An dem Tag, 105 Jahre nach dem Auftakt in London, fuhr in Frankfurt die A 1. Frankfurt machte in jenen Tagen seit dem Mai 68 einiges mit.

Neu war nicht, dass Frankfurt damals bereits Bankenstandort und Ballungsgebiet war. Zur Bankenbilanz zählten 150 Geldinstitute, und unterm Strich lebten im Großraum Frankfurt gut und gerne drei Millionen Menschen. Von dem Reporter, Kulturhistoriker und Feuilletonisten Egon Erwin Kisch stammt ja bekanntermaßen eine Überlegung, die unmittelbar hier hingehört: „Die U-Bahn ist ein wesentliches Kennzeichen der Großstadt. Oben auf der Straße ist kein Platz mehr für die Menschen.“

Der Großstadtmensch, der seitdem keinen Platz mehr oben findet, pendelt. Es sollen im Ballungsraum Frankfurt heute (sprich: im abgelaufenen Erhebungszeitraum) täglich 300 000 Menschen sein. Das ist kein Spaß für alle Beteiligten, weder für die Betreiber noch für die Getriebenen, obwohl damals, Herbst 1968, den ersten U-Bahnnutzern ein solcher Eindruck vermittelt werden sollte. Es handelte sich um Fahrgäste, für die sich jedoch umgehend ein Abgrund auftat, weil unter ihrem eigenen Ansturm, dem der ersten U-Bahnler des 4. und 5. Oktober 1968, der U-Bahnverkehr zusammenbrach, „restlos“, wie man in alten Zeitungen nachlesen kann.

Zum Volksfest, das Politik und Verkehrsbetrieb ausrichteten, gehörten Freifahrtscheine, so dass Frankfurt, die Stadt, das Ballungsgebiet, losgelassen auf ein „Riesenspielzeug“ (eine Zeitung), in sein Untergrundzeitalter eintrat im Zeichen des Verkehrsinfarkts.

Es fehlte der U-Bahn von Anfang an der fließende Verkehr. Von Tag 1 an musste sich der Verkehrsbetrieb an ihn heranarbeiten. Nur so konnte der Ballungsgebietsbewohner schließlich zum heutigen Flow durchdringen.

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