Daniel Düsentrieb steht ein Helferlein, dem man bitter Unrecht täte, nennte man es zwar helle, aber herzlos: In den Heizdraht der Birne hatte Düsentrieb eine „Gefühlsrückkopplung“ eingebaut.
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Daniel Düsentrieb steht ein Helferlein, dem man bitter Unrecht täte, nennte man es zwar helle, aber herzlos: In den Heizdraht der Birne hatte Düsentrieb eine „Gefühlsrückkopplung“ eingebaut.

Times mager

Helferlein

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Dem Ingeniör ist nichts zu schwör? Aber da fehlt uns doch noch einiges – im Homeoffice wie auch auf internationaler Ebene.

Der erste Erfinder, den das Kind kennenlernte, war Daniel Düsentrieb – und womöglich dachte es eine Weile lang, dass man Erfinder daran erkennt, dass sie eine Art Nest mit Hut auf dem Kopf und einen Kneifer auf dem Schnabel haben. Den Kneifer schon deswegen, weil es sich von selbst verstand, dass ein Mensch viel lesen musste, wollte er so klug wie ein Erfinder werden; und weil, wer dauernd las und noch dazu las, ohne die Leselampe anzuschalten, sich die Augen verdarb, wie die Eltern nicht müde wurden zu betonen. Und besaß Düsentrieb jemals eine Leselampe? Eben.

Jedoch steht ihm zur Seite ein Helferlein, dem man bitter Unrecht täte, nennte man es zwar helle, aber herzlos: In den Heizdraht der Birne hatte Düsentrieb eine „Gefühlsrückkopplung“ eingebaut. Der Erfinder wusste warum, ahnte vielleicht auch, dass sein drahtiges Helferlein damit so manchem Menschen etwas voraus haben würde. Denn ohne Zweifel haben Sie und ich bereits Menschen getroffen, bei denen in irgendeinem Stadium der Herstellung und Ausstattung diese Gefühlsrückkopplung schlicht vergessen wurde. (Anmerkung: Der Umtausch eines solchen Mängelexemplars kann sich schwierig gestalten, wie gerade ein ganzes Land erfahren muss.)

Während aber Daniel Düsentrieb in seiner langen Karriere Dinge von hohem Gebrauchswert erfunden hat – eine Brotschmiermaschine (für Leute, die immer vergessen, die Butter rechtzeitig aus dem Kühlschrank zu holen), ein Licht, das dunkel macht (als hätte er geahnt, dass wir irgendwann den Homeoffice-Schlaf brauchen werden), einen Schalllöscher (gegen alle Ärgernisse, die Lärm machen) -, sind zuletzt eher zweifelhafte Erfindungen auf den Markt gekommen.

Ein Hundetrockner zum Beispiel, der wie eine Trockenhaube mit vier Beinen aussieht. Polierpuschen für die Katze, auf dass sie sich ihr Futter verdient. Vor beidem müssen wir warnen, denn Ihre Haustiere werden ob dieser Zumutung nicht mehr mit Ihnen sprechen – und wer soll in diesen Tagen dann überhaupt mit Ihnen sprechen?

Dem Ingeniör ist nichts zu schwör? Wo bleibt, liebe Tüftlerinnen und Tüftler, das seit mehr als vier Jahren ersehnte Mikro, in das man Lügen hineinspricht – und aus den Lautsprechern kommt die Wahrheit? Und wo das Smartphone, in das man Lügen tippt, aber der Empfänger, die Empfängerin liest nichts als die Wahrheit? Daniel Düsentrieb hätte zum jetzigen Zeitpunkt wenigstens schon ein Gefühlsrückkopplung-Nachrüstset entwickelt, denn was Roboterchen menschlich macht, das müsste doch eigentlich auch Menschen menschlich machen können.

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