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Sich mit einem Feuerlöscher selbst k.o. hauen: eine Kunst, die nicht jeder beherrscht.

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Heiß

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Nach dem Intensivkurs kennt auch der FR-Redakteur die obersten Gebote für Büro-Brandschützer: Den Rauch ernst nehmen, die Ruhe bewahren.

Immer wenn’s spannend wird! „Weil in einer der Küchen des Seniorenheims Haus Hildegard Essen zu scharf angebraten worden war, löste heute kurz vor Mittag der Rauchmelder aus“, berichtet das „Bocholter-Borkener Volksblatt“ auf seiner Internetseite. Aufgerüttelt durch die Überschrift „Zu scharf angebraten: Feueralarm in Rhede“, stürzt sich der Leser auf die Nachricht – aber nach nur einem Satz stoppt ihn jäh die Bezahlschranke.

Wir sagen: richtig so. Wer wissen will, wie’s weitergeht, soll berappen. Viel zu oft verschenken Journalisten ihre spannendsten Inhalte. Konnte man das Fleisch noch essen? Ist es überhaupt Fleisch, was man im Haus Hildegard scharf anzubraten pflegt? Und wie viele Küchen, um alles, gibt es denn dort?

Wir werden es Ihnen nicht verraten. Sorry. Stellen Sie sich vor, alle wären so freigiebig wie der Münsinger „Alb-Bote“, der unter dem Titel „Feueralarm in der Firma“ seine Leser heiß macht: „Wie bereits in den letzten Jahren fand am Mittwoch die jährliche große Feuerwehrübung bei der SchwörerHaus KG in Oberstetten statt“ – und dann folgt die ganze Story, alle dramatischen Details. Gratis.

Die frisch gebackenen Flur- und Etagenbeauftragten

Etwas anderes wäre es, wenn sich in dieser Woche zum Beispiel vier Personen aus dem Kreise der FR-Redaktion im Intensivkurs zu Brandschutzhelfern hätten ausbilden lassen. Zu Flur- und Etagenbeauftragten sogar. Und wenn die das Bedürfnis hätten, den Lesern Grundzüge des Brandschutzes weiterzugeben. Das wäre dann ja sozusagen erste Hilfe. Und die ist kostenlos. Außerdem geht dieser Text dann gleich als Hausmitteilung durch.

Hier also unsere frisch erlernten Tipps: Immer Ruhe bewahren, wenn’s brennt, Kollegen! Im Rauch gebückt gehen! Häufige Fehler, ist im Seminar zu erfahren, seien erstens: die Feuerwehr nicht zu rufen und zweitens: den Rauch nicht ernst zu nehmen. Das kennt jeder: Man sitzt so da, sagt dem Rauch, er solle sich nicht lächerlich machen, und hält die Feuerwehr bewusst dumm.

Das Kursbegleitheft informiert über die Gefährlichkeit von „Elektrogräten“ (Knochen des Zitteraals?), am wertvollsten aber sind die Live-Vorführungen, etwa: Wie man sich bei der Inbetriebnahme eines Feuerlöschers selbst k.o. schlagen kann. Uns Brandschützern ist nun klar: Als Flurbeauftragter muss ich im Angesicht der Feuersbrunst alle Kollegen rausjagen, sogar jene, die versichern, sie hätten noch „wichtige Arbeiten“ zu erledigen. Falsch wäre es, in dem Moment zu sagen: „Gut, mach weiter. Ersticken wir halt gemeinsam.“ Aber es gibt Ausnahmen. Alte Brandschützerweisheit: „Mitunter ist es besser, wenn man den Chef drinnen lässt.“

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