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Heinos Liedgut für die Heimat

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Von: Stephan Hebel

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Musik aus alten Zeiten lässt Heimatgefühle aufkommen - zuweilen auch in braunen Tönen.
Musik aus alten Zeiten lässt Heimatgefühle aufkommen - zuweilen auch in braunen Tönen. © epd

MHKBG, eine Buchstabenfolge, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte. Das täte auch Volksliedsänger Heino gut.

Spüren Sie diese weltferne Wärme, die einen beim Aussprechen überkommt? Lesen Sie mal laut: MHKBG. Noch einmal: MHKBG! Schade, dass es so etwas nur in Nordrhein-Westfalen gibt. Bundesweit haben wir nur das BIBH, aber das heißt in Wirklichkeit gar nicht so und klingt mehr nach Bundesinstitut für Damenwäsche als nach Heimat.

Das BIBH heißt nach wie vor BMI, ist aber jetzt ein „Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat“. Leider ist auf der Homepage im Heimatbereich bisher nur ein Foto zu sehen (Holzhäuschen auf Wiese). Das MHKBG in Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung) besitzt dagegen schon viele Heimatbotschafter, die allerdings nicht im Ausland stationiert sind, sondern, wie der Name schon sagt, zu Hause.

Erst kürzlich war ja hier von der Heimat die Rede, aber nicht vom Volkslied, und das geht gar nicht. Heino hat der nordrhein-westfälischen Ministerin für HKBG kürzlich eine alte Schallplatte geschenkt, und dann hat irgendjemand gemerkt, dass ein Teil der Heimatweisen, die sie enthält, schon im Liederbuch der SS gestanden haben. „Wenn alle untreu werden“ zum Beispiel. Heino hat, als das für Aufregung sorgte, gesagt: Die Lieder könnten ja schließlich nichts dafür.

Das hatte annähernd Volksliedniveau, und unserem Heino wird man sicher nicht mehr beibringen können, dass zwar das Lied nicht schuld ist, wenn es von einer Mörderbande übernommen wurde, sehr wohl aber derjenige, der es dann einfach weiter singt. Andererseits: „Wenn alle untreu werden“ sollen die Deutschnationalen schon 1814 als Kampflied gegen die Franzosen geschmettert haben, und sogar im Widerstand gegen die Nazis wurde es gesungen, teilt Heino ferner mit.

Was jetzt also, Skandal oder nicht? Ach, Skandal! Das mag man sehen, wie man will, je nach politischer Heimat (!). Aber fest steht: Kaum tritt man aus dem Holzhäuschen auf die Wiese, macht man die Erfahrung, dass die Heimat voller Fettnäpfchen steht. Und die umgeht die Politik wahrscheinlich nicht, indem sie das Wort „Heimat“ in den Namen einer Behörde schreibt.

Mit der Heimat ist es nämlich so wie mit Gott und gutem Fußball: Jeder versteht etwas anderes darunter. Die nordrhein-westfälische Ministerin, also die mit Heinos Platte, betont deshalb immer, sie wolle „Heimat“ gar nicht definieren, sonst schließe sie ja womöglich irgendjemanden aus.

Da liegt der Hase im Pfeffer: Wenn Heimat nichts anderes ist als ein Synonym für die offene, inklusive Gesellschaft, kann man den Begriff ruhig den tümelnden Gegnern dieser Gesellschaft überlassen. Und für die soziale Geborgenheit, die so vielen Leuten abzugehen scheint, wird es schönere Kürzel geben als MHKBG.

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