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Heimatgefühl

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Von: Christian Thomas

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Ein Heimatministerium schlägt seine Wurzeln in der Bundeshauptstadt.
Ein Heimatministerium schlägt seine Wurzeln in der Bundeshauptstadt. © imago

Sollte es mit der Heimat eine friedliche Bewandtnis haben, dann genügt ihr eher eine Weltnische.

Altes Haus, jetzt mal theoretisch! Ein Ministerium ist kein Baum, und ein Heimatministerium kein Bach, sehr richtig. Denn die Einrichtung raschelt nicht, sie murmelt nicht, auch wenn ein Heimatministerium jetzt Wurzeln schlägt in der Hauptstadt. Trotz solcher Voraussetzungen ist es nicht der Ort, an dem die Dinge zu uns sprechen, wie noch die Romantiker meinten, wenn sie von Heimat sprachen, Baum und Bach lauschten oder in den Garten hineinhorchten, der, etwa nachts, zu singen anfing. Ach Eichendorff. Ach, Eichendorff!

Ein Heimatministerium ist auch kein Garten, auch wenn der Heimatminister so tut, als sei sein Ministerium so etwas in diese Richtung, eine Station, um Kraft zu tanken für ein gestärktes Heimatbewusstsein. Merken die Heimatministeriumsmitarbeiter schon etwas? Sieht man es ihnen an, gehen sie anders durch die Welt, gehen sie morgens anders auf ihre Diensträume zu als etwa die Mitarbeiter von Innen- oder Außenministerium? Gehen sie beschwingter nach Hause, können sie sich überhaupt von ihrem Arbeitsplatz trennen nach 17 Uhr? Gibt es für einen Heimatministeriumsmitarbeiter so etwas wie Homeoffice?

Altes Haus, den Bogen jetzt nicht überspannen! Downsizing! Ein Heimatministerium ist womöglich so etwas wie ein Heimatersatz, anders als ein Garten, dieses oder jenes Elternhaus, ein Hinterhof mit Teppichstange, eine frisch gemähte Wiese, eine Tankstelle, eine Düne, eine Kirche, eine Disco, ein ICE-Bistro, eine Fahrerkabine eines Lastwagens, eine Moschee, eine Synagoge, ein Schreibtisch, ein Blumenbrett – womöglich doch ein Heimatministeriumsarbeitsplatz?

Heimat ist etwas stark Gefühltes, ein Assoziationsraum auch, und nicht selten weiß der Fühlende nicht so recht, wo er rauskommt am Ende, angefangen mit seinem Gefühl, das ein vages Gefühl sein kann oder ein starkes, ein freundliches oder auch ein feindlich gesinntes Heimatgefühl. Es ist ein enormer Unterschied, ob man sagt: Das ist meine Heimat. Oder ob es dröhnt: Wir sind Heimat.

Es ist beim Gespräch über die Heimat wie mit dem über Bäume, das womöglich ein Schweigen einschließt, etwa über Verbrechen im Namen der Heimat. Wer diesen Heimataspekt leugnet, führt einen hinterhältigen Heimatbegriff im Schilde.

Altes Haus, sollte es mit der Heimat eine friedliche Bewandtnis haben, dann beansprucht sie eher eine Weltnische, gründet sie in einem überschaubaren Weltausschnitt. Was ist ein Heimatmuseum? Hoffentlich nichts Welterschütterndes.

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