„Wenn Sie jetzt nicht sofort aufstehen, verlieren Sie 2 Stunden und 37 Minuten wertvolle Lebenszeit.“
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„Wenn Sie jetzt nicht sofort aufstehen, verlieren Sie 2 Stunden und 37 Minuten wertvolle Lebenszeit.“ Judi Dench meint es ernst.

Times mager

Hardware

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Der Mensch wird hoffentlich lernen, all die technischen Helferlein in Zukunft mit einem Tänzchen hereinzulegen.

In Zukunft, so sagt Zukunftsforscher Max Thinius (ja, okay, man macht kein Scherze über Namen, aber klingt er nicht so sehr nach Ohrensausen, dass selbst das topseriöse Times mager nicht widerstehen kann, es ganz nebenbei zu erwähnen?), und zwar schon in naher Zukunft wird uns morgens der Biorhythmustracker wecken, dann der Kühlschrank mit uns interagieren, dann ein Mundsensor melden, ob uns der Kaffee, den eine Maschine selbstverständlich ohne unser Zutun gekocht hat, eigentlich schmeckt. Denn dem Menschen, dafür gibt es genug Anzeichen, ist nicht mehr zu trauen. Auch er selbst sollte sich nicht so einfach, gar bedingungslos anvertraut werden.

Zukunftsforscher Thinius geht, was das Können der Helferlein betrifft, nicht ins Detail, aber das Times mager springt gerne ein.

Der Tag beginnt mit (wahlweise von Bruce Willis/ Judi Dench als M geraunzt oder Hugh Jackman/ Scarlett Johansson gegurrt): Guten Morgen, es ist 5 Uhr 51, das Biorhythmus-Optimum für die vergangene Schlaf-Wach-Phase erreicht und wenn Sie jetzt nicht sofort aufstehen, verlieren Sie 2 Stunden und 37 Minuten wertvolle Lebenszeit. Und denken Sie nicht mal dran, mich an die Wand zu werfen. Oder: Guten Morgen, es ist 9 Uhr 23, das Biorhythmus-Optimum erst jetzt erreicht, was ist nur los mit Ihnen? Leider haben Sie das Meeting verpasst, das für Ihre berufliche Zukunft wichtig gewesen wäre, aber selbstverständlich haben wir Ihre Chefin informiert, dass sie noch schlafen.

Sie wanken in die Küche, zerren an der Kühlschranktüre. Die öffnet sich aber erst, nachdem das ideale Frühstück für einen C-Tag (gefühlt: ein echter F-Tag) geordert ist. 30 Gramm Vollkornmüsli, zuckerfrei, dazu ein Joghurt „garantiert ohne alles“, dazu eine Tasse Schonkaffee, schwarz. Der Mundsensor schaltet sich fast ab vor Empörung. Da aber knipst Judi Dench ihn aus ... Entschuldigung, es handelt sich natürlich nicht wirklich um Judi Dench, sondern um eine App, die ebenfalls eine Lizenz zum Töten hat und immer dann eingreift, wenn sie errechnet hat, dass der Gewinn an Lebenserwartung (plus 2,7 Minuten) den an Genuss (ein bis zwei wohlige Seufzer) übertrifft. Also, ihrer Meinung nach übertrifft.

„Es gibt Software, die anhand deiner Bewegungen analysiert, ob ein Essen gut für dich war“, so Zukunftsforscher Thinius – und das ist merkwürdigerweise nicht als Drohung gemeint. Es ist aber die Hoffnung des Times magers, dass der Mensch, erfinderisch wie er ist, lernt, die Software mit einem Tänzchen hereinzulegen. Gern mit Spiegelei, Speck und doppeltem Espresso im Bauch.

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