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Happy End

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Von: Stephan Hebel

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Niemand sollte glauben, dass alles vom Himmel fällt.
Niemand sollte glauben, dass alles vom Himmel fällt. © Imago

Nicht nur das Internet, aber auch das Internet konfrontiert uns täglich mit den brennenden Fragen unserer Zeit.

Man stellt sich das so einfach vor: Da sitzen ein paar kreative Menschen, denken ein Stündchen nach, und schon ist der neue Markenname gefunden: Großer Jubel, Happy End! So heißt es jetzt schon seit Jahren, das Toilettenpapier beim Discounter, und peinlich, wenn man das nicht weiß: „Na klar, Happy End ist Penny“, sagt Kaffeehausbesitzer H., als hätte er es mit einem Idioten zu tun. Das muss man erst mal verdauen.

Happy End ist ein sehr schöner Name für ein Toilettenpapier, aber wie gesagt: Niemand soll glauben, dass so etwas vom Himmel fällt. Nur er nämlich (der Himmel) und allenfalls noch irgendein übrig gebliebener Senior Advisor in der Penny-Happy-End-Abteilung weiß, wie viele Meetings und Pitches und Brainstorming Sessions stattgefunden haben müssen, bis der gemeinsame Name für Happy End dreilagig bzw. „Premium“ vier- oder gar fünflagig sowie dreilagig „mit Rosenduft und -dekor“ gefunden war.

Wäre ein solches Happy End heute noch möglich? Stehen wir nicht vor Herausforderungen an den Workflow, die das Bewusstsein der Verantwortlichen noch gar nicht penetriert haben? Sind wir noch auf der Höhe der Zeit? Oder mit den nachdenklichen Worten einer Mitteilung, die die Redaktion gerade erreichte: „Quo vadis, Workspace-Management?“

Der Autor konfrontiert uns ohne Scheuklappen mit den brennenden Themen unserer Zeit: „Dank Self-Service, AI und flexibel anpassbarer Workflows wandelt sich das UEM vom Unified Endpoint Management zum ,User Experience Management‘.“ Und schon fragt sich der gesunde Menschenverstand: Wo soll das noch hinführen? Werden wir den Abschied vom Unified Endpoint Management verkraften? Waren wir nicht etwa glücklich damit, Happy Endpoint sozusagen? Muss das Toilettenpapier sicherheitshalber in „Happy Experience“ umbenannt werden?

Aber andererseits wird alles schöner: „Dank Zugriff auf Terminkalender und Projektmanagement-Tool weiß der digitale Arbeitsplatz, welche Apps der Anwender nun voraussichtlich benötigt. So kann er ihm benötigte Unterlagen ebenso proaktiv vorschlagen wie etwa die App für das Web-Conferencing: ,In einer Minute beginnt Ihre Team-Konferenz. Wollen Sie sich einloggen?‘“

Aber was passiert, wenn der Anwender Nein sagt? Das sollte er lieber nicht, denn der Chef weiß, was zu tun ist. „Vieles im modernen Arbeitsumfeld wird sprachgesteuert ablaufen: ,Alexa, hol den Kollegen Hans Maier vom Vertrieb mit ins Meeting!‘“

Man könnte eine ganze Rolle Happy End feuchtheulen, vierlagig, ohne Rosenduft.

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