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Hanne

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Von: Thomas Stillbauer

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Butter war schon immer ein delikates Thema.
Butter war schon immer ein delikates Thema. © imago/Science Photo Library

Butter war schon immer ein delikates Thema, nicht nur, wenn eine wackere Jungfrau der Milchfettgewinnung Stirn und Gesäß bietet.

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Da wir es hier unlängst von Marmelade hatten: Es gibt Menschen an Frühstückstischen, die hartnäckig einen Lebensentwurf verfechten, in dem nicht nur Käsescheiben, sondern auch Marmelade und Fruchtaufstrich ohne Unterlage aus Butter auskommen müssen. Sogar Nussnougatcreme spachteln sie direkt aufs trocken Brot. Das verstehe, wer will.

Butter war eben schon immer ein delikates Thema. Wie Leser der Frankfurter Rundschau wissen, kann es bei Erwerb und Anwendung des Molkereiprodukts zu Komplikationen kommen. Den Einzug des Sachverhalts ins Feuilleton bezeichnete Kurt H. aus G. unlängst in einem persönlichen Schreiben als angemessen. Der glückliche Mann hat die vielfältigen Probleme bei der Inbetriebnahme eines halben Pfunds Butter jedoch längst hinter sich gelassen.

Unter Obhut der Butterhanne

Das ist kein Wunder. In G. lebt man seit Generationen unter der besonderen Obhut der Butterhanne. Die wackere Jungfrau bot vor fünfhundert Jahren den Gepflogenheiten bei der Milchfettgewinnung nicht nur die Stirn, sondern auch das nackte Gesäß, wie die Schnitzerei an einem historischen niedersächsischen Gebäude namens „Brusttuch“ beweist.

Das überaus gelungene Holzrelief zeigt die Hanne beim einhändigen Stampfen am Butterfass. Die Arbeit erledigt sie mit links, während ihre rechte Hand den Rocksaum lupft. Die kesse Geste gilt offenbar dem hinter ihr am nächsten Pfeiler postierten Teufel. Ihn suchten die Butterproduzenten jener Zeit üblicherweise mit blutigen Ritualen zu besänftigen, um nicht in Schmierigkeiten zu geraten. Ganz anders die pfiffige Butterhanne, unsere Heldin. Sie schafft das anstrengende Werk allein mit der Kraft ihrer Muskeln und mit Hilfsmitteln aus Holz.

So hält es auch Kurt H. – er pflegt die Butter samt Kühlwasser in eine hölzerne Zwei-Fässchen-Konstruktion zu geben, braucht nicht mal einen Kühlschrank und hat doch stets gangbares Streichfett im Haus. Chapeau. Seinen Ausführungen legt er sogar noch ein mit Olivenöl behandeltes Buttermesser aus Rotdornholz bei. Er kann versichert sein, dass die Redaktion dahingeschmolzen ist.

Am Ende noch ein Blick nach Bad Ditzenbach auf der Schwäbischen Alb. Dort nahm Gemeinderätin Ines Schweizer in der jüngsten Ratssitzung im Auendorfer Chorstüble dezidiert Stellung zum örtlichen Seniorennachmittag, wie die „Göppinger Kreisnachrichten“ melden. Die Brezeln sollten doch bitte künftig mit Butter serviert werden, verlangte sie. Es sei beschämend, dass die Senioren ihre eigene Butter mitbringen müssten, zitiert das Blatt weiter. Wir bleiben dran.

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