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Alle zusammen sehen sich „Nightmare Before Christmas“ an, aber nur eine Person gickelt und freut sich des Lebens.
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Alle zusammen sehen sich „Nightmare Before Christmas“ an, aber nur eine Person gickelt und freut sich des Lebens.

Times mager

Hanging Rock

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Von Beethovens 5. Klavierkonzert in der flirrenden Hitze Australiens. 

Unter ungeteilter Begeisterung wird das angenehme Gefühl verstanden, dass alle begeistert sind. Es gibt aber auch diese ungeteilte Begeisterung, mit der man selbst alleine da steht. Man ist dann sehr begeistert. Die anderen gucken verlegen durchs Fenster.

Klassische Beispiele: Erstens hat man seinen sehr jugendlichen Verwandten drei Jahre lang erzählt, was für ein fantastischer Film „Ivanhoe, der schwarze Ritter“ sei. Jetzt sehen sich alle zusammen den Film an, aber er ist wie ausgewechselt, ein anderer Film, ein Betrug, dem wir hier leider nicht nachgehen können.

Zweitens hat man seinen älteren Verwandten vier Jahre lang erzählt, was für ein fantastischer Film „Nightmare Before Christmas“ sei. Jetzt sehen sich alle zusammen den Film an, aber nur eine Person gickelt und freut sich des Lebens. Natürlich nicht mehr, sobald die Frage aufkommt, wie lange es noch dauere. Peinlich.

Drittens wäre das vermutlich auch mit „Picknick am Valentinstag“ passiert, aber die Liebe zu diesem Film behält der kluge Mensch einfach einmal für sich. Die Liebe zu diesem Film – von Peter Weir, Mitte der siebziger Jahre entstanden – lebt vermutlich aus der Einmaligkeit der Handlung und den eigenartigen Kontrasten, die sich unter anderem aus der holden, aber auch disziplinierten Stimmung in einem Mädchenpensionat und dessen Standort in der glutvollen Einsamkeit Australiens ergibt. Zur guten, zur exzellenten Musik im Film gehört der langsame Satz von Beethovens 5. Klavierkonzert, der in dieser flirrenden Hitze eine besondere Melancholie und Vertrautheit entwickelt. Die Verwendung von Beethovens Musik lieferte seinerzeit den Vorwand, den Film im Musikunterricht zu zeigen, in den achtziger Jahren. Er traf auf offene Ohren, die Unbegreiflichkeit und Sehnsucht des Lebens überwältigte die anwesenden Teenager wie die Mädchen im Film – präziser lässt sich das leider nicht sagen. Später tauchte zwar das im Druck weggelassene Schlusskapitel von Joan Lindsays Roman „Picnic at Hanging Rock“ auf. Aber lesen Sie es besser nicht.

Die übrige Musik im Film ist auch toll, aber etwas melodramatisch. Sehr melodramatisch. Schon fängt man also an, sich zu entschuldigen. Schon muss man aber sagen, dass „Picknick am Valentinstag“ ein Film ist, der sich auf jeden Fall lohnt. Schon hat man sich um Kopf und Kragen geredet.

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