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Susan Sontag verweigerte die Handtasche.
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Susan Sontag verweigerte die Handtasche. Zu Recht.

Times mager

Handtaschen

Muss man Menschen mit Handtaschen verabscheuen? Oder eher die, die die Handtasche ihrer Begleitperson für ihre Zwecke nutzen?

Noch die größte Handtasche ist nicht groß genug, um all die Dinge hineinzutun, die man im nächsten Moment brauchen könnte. Ein Buch, einen Block, einen Stift, ein anderes Buch, eine Zeitschrift, einen Schluck Wasser, eine Aspirin direkt, die zwar auch in die Rocktasche passen würde, aber vielleicht könnte man im nächsten Moment auch mehrere Aspirin direkt brauchen, oder das Programmheft von vorgestern oder vorvorgestern oder ein Hustenbonbon. Hinzu kommen all die Dinge, die versehentlich in der Handtasche verblieben sind. Programmhefte vom Wochenende, ausgelesene Bücher, leere Aspirinpackungen, Stifte, die nicht funktionieren.

Frauen und ihre Handtaschen sind auch Frauen ein Rätsel, aber das größere Rätsel sind Menschen egal welchen Geschlechts, die keine Handtasche benötigen.

An dieser Stelle möchten wir leicht korrigieren und sagen: Menschen, die keine Handtasche benötigen, obwohl auch neben ihnen niemand läuft, der eine Handtasche bei sich hat. In die man rasch das eine Buch, vielleicht noch ein zweites, dazu die Brille, die Augentropfen, die Taschentücher verstauen kann. Wenn die andere Person – um sich geschlechtermäßig an dieser Stelle nicht zu sehr festzulegen – die Handtasche eh mitnehme.

Andere legten sich durchaus fest. Auch Sie werden kürzlich im FR-Feuilleton gelesen haben, dass Susan Sontag Frauen mit Handtaschen verabscheute. Dieses interessante Detail ist dem Buch „Sempre Susan“ von Sigrid Nunez entnommen. Nunez erklärt, Susan Sontag habe sich geweigert, eine Handtasche zu tragen. Männer, habe sie erklärte, hätten auch keine Handtaschen, ob ihr, Nunez, das nicht aufgefallen sei. Warum seien Frauen bereit, sich so zu beladen?

Simpel könnte die Antwort lauten: Um das Buch, den Block, den Stift, das andere Buch und so weiter in einer Tasche zur Hand zu haben. Aber natürlich ist es komplizierter und lässt sich nicht ganz klären. Erstens scheinen Menschen ohne Handtaschen Geheimklappen an sich zu haben, aber wo nur, wo? Zweitens wird am Ende nicht das Buch in der Tasche sein, das in die Tasche gehört hätte. Die Stifte werden alle nicht funktionieren, vielleicht lagen sie mit der Spitze nach oben, vielleicht sind sie in den Seidenschal ausgelaufen – ja, wie ist der denn hierhergekommen?

Selbst wenn alles eben noch da gewesen wäre: kein schwärzeres Loch als eine Handtasche.

Susan Sontag ist an dieser Stelle also unbegreiflich (nein, ist sie natürlich nicht, verflucht, sie hat recht, aber dennoch), und insofern ist es nur gerecht, dass Interessierte sich über das Internet schicke Susan-Sontag-Taschen bestellen können. Schön groß.

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