Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Umzugsgut am Weißen Haus.
+
Umzugsgut am Weißen Haus.

Times mager

Hammer

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
    schließen

Jahrelang war man auf Kokain, nun bekommt man Kaffee angeboten.

Ein Umzug bietet einstweilen noch Stoff zum Staunen. Und zu einem gewissen Argwohn. Eine Lincoln-Büste wird zu einer Seitentür herausgetragen – gehört die nicht, wie die Gemälde, zur festen Inneneinrichtung des Weißen Hauses? Ein ausgestopfter Fasan folgt – ein Pfau hätte noch ein bisschen besser gepasst, aber einen Deko-Gockel traut man demjenigen, der hier ausgezogen wird, allemal zu. Ein großer silberner Hammer, an dessen Stiel ein krawattenrotes (!) Bändchen befestigt ist und auf dem seitlich (und das ist nicht erfunden) „TRUMP“ steht: Auf einem Foto sieht man einen ernsten jungen Mann in dunkelblauem Pulli, Maske und offiziell wirkendem Ausweis um den Hals, der den Hammer geschultert hat wie einer der sieben Zwerge. Gleich wird er fragen: Geht das nach Mar-a-Lago?

Am Tag nach der Wahl Joe Bidens scherzte „Late Show“-Moderator Stephen Colbert, er habe den Namen des noch amtierenden Präsidenten bereits vergessen. Scherzte? Nun ja. Jedenfalls sprach er ihn fortan nicht mehr aus, sagte stattdessen „the President“, während in allen eingeblendeten Texten konsequent stand: T****. Colbert dürfte außerdem der erste gewesen sein, der zugab, seine guten Einschaltquoten auch „dem Präsidenten“ zu verdanken. Aber lieber habe er wieder niedrigere Zahlen…

Vor vier Jahren, so gibt nun mancher Reporter, manche Kommentatorin zu, habe man doch eigentlich gedacht: Mit Hillary Clinton wäre es schrecklich langweilig geworden. So berechenbar. So sachlich. So … vernünftig. Puh. Und das Times mager gibt zu, dass erstens der Name Clinton in wahrscheinlich keiner einzigen Feuilleton-Glosse vorgekommen wäre, dass es sich zweitens gar nicht erst angewöhnt hätte, sämtliche Late-Night-Talker anzuhören, derer es habhaft werden konnte, und sei es auch nur in Schnipseln.

Aber Tag um Tag schlug sich Trump den großen silbernen Hammer auf den Kopf und wollte das Times mager davon hören. Tag für Tag reichte er ihn weiter, an Eric und Don Jr., an Melania (wohl letzter Melania-schreibt-ab-Witz: Auf dem First-Lady-Schreibtisch wird sie für Jill Biden den gleichen Brief liegen lassen, den Michelle Obama an sie geschrieben hat), an Rudy Giuliani, der sich daraufhin für eine Pressekonferenz zwischen einen Sexshop und ein Krematorium stellte. Und das war erst der Anfang.

Seit einer Weile schon machen die US-Talker auch Biden-Witze. Niedliche kleine Witze, bei denen man das Gefühl hat: Die müssen noch wachsen. Seien wir ehrlich: Es ist, als hätte man vier Jahre lang Kokain geschnupft und bekäme als Ersatzdroge nun Kaffee angeboten.

Wen selbst Kaffee schlaflos macht, der verzichtet ganz und erwacht erholt in knapp vier Jahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare