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Fast jeder steht dumm da, dessen mündliche Rede unbearbeitet schriftlich veröffentlicht wird, auch Star Wars-Fans.

Times mager

Halt eben

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Heute wollen wir uns mit einer besonders beliebten Kombination aus Abtönungspartikeln beschäftigen.

Die Abtönungspartikeln „halt“ und „eben“ können kombiniert werden zu einem „halt eben“, wobei „kombiniert“ etwas zu raffiniert klingt für die „halt eben“-Kanonade, die einmal im Monat auf unsereinen niedergeht. An dieser Stelle soll aber ein sozusagen neutrales Beispiel angeführt werden, um den Ernst der Lage zu dokumentieren. Wir entnehmen es dem Buch „Fan-Sein. Die Identität des Star Wars Fans“ von Matthias Völcker (Springer Verlag 20eins6). Hier äußert sich beispielsweise „Paul“, wie er sich Star-Wars-Geschichten ausdenkt: „Weil man hat doch einfach die Filme halt eben als Richtlinie oder auch teilweise die Bücher, je nachdem wie viel man davon halt eben nehmen will.“ Ferner denkt „Paul“ darüber nach, einen Blog zu Star-Wars-Rollenspielen anzubieten: „Generell halt eben Tipps für ähm Spielleiter und so weiter halt eben und das und das halt eben mit anderen zu teilen.“

Wie Sie sehen, wurden die Gespräche mit „Paul“ und anderen Star-Wars-Fans ohne Glättungen transkribiert. Wer von „Star Wars“ nicht so viel hält wie von „Raumschiff Enterprise“, sollte daraus aber keine falschen Schlüsse ziehen, keine Schlüsse also, die Star-Wars-Fans dumm dastehen lassen. Fast jeder steht dumm da, dessen mündliche Rede unbearbeitet schriftlich veröffentlicht wird, und ohnehin ist das keine Schande, sondern handelt von der Kraft der mündlichen Sprache. Denn „Paul“ kann seinen Standpunkt doch klarmachen. Nehmen wir auf der anderen Seite zum Beispiel das Abstract zu dem in „Sprachwissenschaft“ (2016) erschienenen Aufsatz: „‚Halt eben‘ vs. ‚eben halt‘ – Dialekt, Satzmodus, Rhythmus oder Interpretation?“: „Empirische Studien, die die Faktoren untersuchen, die nach Ansicht anderer Autoren die eine oder andere Abfolge bestimmen, zeigen auf, dass für keinen dieser Faktoren Evidenz gefunden werden kann.“ Das ist auch nicht einfach, aber ebenfalls interessant.

Man kann sich jetzt überlegen, wie man den Samstagvormittag verbringen will: Das alte „Raumschiff Enterprise“-Modell suchen, das noch irgendwo sein muss, und dann heimlich damit spielen. Über die Schönheit von Würzwörtern nachdenken, sowie über den möglichen Unterschied zwischen „halt eben“ und „eben halt“. Versuchen, den Aufsatz „‚Halt eben‘ vs. ‚eben halt‘ – Dialekt, Satzmodus, Rhythmus oder Interpretation?“ für eine Stange Geld (aber bestimmt wäre es die Sache wert) herunterzuladen.

Das ist jedoch eine rhetorische Auswahl, denn natürlich sind heute eh alle bei der Buchmesse.

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