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Ewiger Rembrandt, Deutschland 1942.

Times mager

Hals über Kopf

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Der 8. Juni 1633 war der Tag, an dem Rembrandt das Bildnis einer Frau, seiner Frau endlich gelang.

Einmal, als er ihr nur zusah, und das auch sagte, dass eigentlich nichts sei, dass sie einfach weitermachen solle, aber doch so bleiben solle, genau so, und ja bloß warten solle, bis er zurück sei, da hielt, als er dann zurück war, sie so fest, nein, nicht mit den Armen, nicht körperlich, sondern mit den Händen, mit dem Stift in der Hand, mit der anderen Hand das Blatt. Auf seine Weise hielt er sie fest, denn hätte er es anders gemacht, er hätte nur Unruhe in das Bild von ihr gebracht. In seinen Anblick von ihr, wie sie ihren Kopf stützt, der Unterarm abgestützt auf einer Unterlage.

Bleib bloß so!

Wieso bleiben? Habe sie denn, sagt Saskia (freilich ohne sich zu bewegen), den Eindruck gemacht, dass sie gehen wolle?

Nicht rühren!

Rembrandt, er ist bereits 26, sollte man an diesem Morgen im Juni 1633 vielleicht nicht sagen, dass ihm Bildnisse von Frauen bisher nicht so recht gelangen. Ein solcher Hinweis würde ihn nur ablenken, während er sich Saskia zuwendet, mit ein paar Strichen, rasch, hurtig, Rembrandt fällt für das, was er tut, kein anderes Wort ein.

Wie oft hat er schon auf dem Malgrund gewütet, dafür ist er längst bekannt. Jetzt berührt er das Blatt kaum, mit nur wenigen Strichen entsteht auf dem Kopf der Strohhut, erscheint Saskia mit Strohhut auf weiß grundiertem Pergament, es erscheint ihr etwas pausbäckiges Gesicht, die Perlenkette taucht auf am Hals noch oberhalb der hochverschnürten Bluse.

Saskia, wie mit Fingerspitzen gezeichnet. So zeichnet sich die Anmut ihrer Finger ab, des Kopfes. Durch die Silberlinien des Silberstifts schaut sie Rembrandt auf dem Papier mittlerweile an, leicht von der Seite, der Daumen stützt das Kinn, der kleine, dieser nicht unenergische Finger ruht am Wangenknochen unter ihrem Auge, der nächste Finger stützt die Schläfe, das ist der Ringfinger – und wie um die Anmut quasi zu beglaubigen, schreibt Rembrandt auf das bezaubernde Blatt: „Das ist nach meiner Hausfrau konterfeit, als sie 21 Jahre alt war, am 3. Tag nach unserer Verlobung am 8. Juni 1633.“

Man könnte weitermachen mit dem Bild, mit der schmalen Oberlippe, der breiteren, leicht spöttisch vorgeschobenen Unterlippe, mit den mandelförmigen Augen seiner Hausfrau, als wären sie vom Anblick Rembrandts amüsiert. Ja, sieh an, könnte man sagen, obwohl Rembrandt sich doch auch vertut. Denn tatsächlich ist seine Braut an diesem Tag 20 und nicht 21. Aber gut, Rembrandt ist nun mal, als er Saskia auf Papier bringt, verliebt, also tut er es Hals über Kopf.

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