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Halbschlaf

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Von: Sylvia Staude

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Dann mal gute Nacht: Uferschwalben (Ripalia ripalia) schlafen auf einem Ast.
Dann mal gute Nacht: Uferschwalben (Ripalia ripalia) schlafen auf einem Ast. © Imago

Von wegen Spatzenhirn. Das soll der Mensch mal nachmachen und dabei bitte auf einem Ast sitzen.

Heute: was Tiere können und was beim Menschen schon auch irgendwie praktisch wäre.

Delfine zum Beispiel, aber nicht nur Delfine, schlafen mit einer Hirnhälfte. Und switchen zwischendurch. Während die eine Hälfte des Gehirns sich ausruht, ist die andere voll synapsensprühender Aktivität und sorgt dafür, dass der Delfin erstens nicht einfach gefressen wird, ohne dass er es überhaupt merkt, und zweitens nicht absäuft. Bei Vögeln ist es ähnlich. Also, nicht das mit dem Absaufen, aber das mit den Hirnhälften und dem Gefressenwerden.

Wenn mehrere Vögel nebeneinander sitzen, können – pling und pling – die in der Mitte ganz abschalten, während die rechts und links außen nur die jeweils innere Hirnhälfte ausruhen lassen. Und sich irgendwann in die andere Richtung drehen, so dass dann das andere halbe Spatzenhirn schlafen kann. (Das ist dermaßen pfiffig, dass der Mensch nochmal überdenken, sogar mit seinem gesamten Hirnschmalz überdenken sollte, ob er „Spatzenhirn“ tatsächlich als Beschimpfung verwenden will. Wenn er sich dazu auf einen Ast setzt, wird er ganz klein mit Hut werden.)

Der Mensch hat aber, typisch, das mit dem Aufrechterhalten aller Funktionen im Halb-Schlaf kaum gelesen, da träumt er schon. Träumt davon, zu schlafen und gleichzeitig mit links (oder rechts) den Krimi weiterzulesen. Mit dem er einerseits nicht gern aufhört, nur weil es schon 1 Uhr 25 ist. Für den er andererseits, seien wir ehrlich, kaum das halbe Hirn braucht.

Das gilt ja nun auch für diverse TV-Serien, die anzusehen die Zeit nicht reicht, wenn man nicht gerade Napoleon oder Churchill ist. (Und ausgerechnet die hatten das TV-Serien-Problem noch nicht. Ungerecht!) Das gilt auch für gewisse Unterhaltungen – „endlich Frühling“, „ja, endlich nicht mehr so kalt“, „war das nicht ein furchtbar langer Winter?“ -, die links (oder rechts) automatisch abgefahren werden könnten (drücke: repeat), während ein guter Teil des Gehirns selig schläft.

Die Möglichkeiten wären endlos und reizvoll. Indessen muss sich der Mensch vorläufig damit trösten, dass die Schlafforscher auch herausgefunden haben, dass er einen kleinen Schritt in die richtige Richtung machen kann. Allerdings nur, wenn er in fremder Umgebung übernachtet. Dann nämlich ist eine Hirnhälfte ein wenig aufmerksamer, ein wenig aktiver.

Aber erstens wäre es arg mühsam, deswegen jede Nacht zum Beispiel in ein anderes Hotel zu ziehen. Denn zweitens ist der Unterschied minimal und reicht die marginal munterere Hirnhälfte nicht einmal für den plattesten aller Kriminalromane.

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