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Volker Schmidt ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
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Volker Schmidt ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Halbes Schwein

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Die Regulierung der Finanzmärkte schreitet voran. Jetzt hat die US-Börsenaufsicht CFTC Wertpapiere zugelassen, mit denen Anleger auf den Erfolg von Kinofilmen wetten. Von Volker Schmidt

Die Regulierung der Finanzmärkte schreitet voran. Jetzt hat die US-Börsenaufsicht CFTC Wertpapiere zugelassen, mit denen Anleger auf den Erfolg von Kinofilmen wetten. Liegen die Einnahmen am Startwochenende über einem bestimmten Wert, erhalten die Investoren mehr Geld zurück, als sie einsetzen.

Ist das nicht viel seriöser als Wetten gegen Staaten, die unverschuldet in Not geraten? Die CFTC sagt, die Film-Derivate basierten auf einem Rohstoff, könnten nicht einfach manipuliert werden und dienten dem wirtschaftlichen Ziel des Schutzes gegen Risiken. Das Brokerhaus Cantor Fitzgerald, ein potenzieller Anbieter, nennt sein Produkt schon mal genregemäß und nahezu selbstironisch wie die anstehende Fortsetzung des Oliver-Stone-Hits "Wall Street", in dem Michael Douglas den Gierschlund Gekko spielt: Money never sleeps - Geld schläft nie.

Komisch nur, dass die Filmindustrie dagegen ist. Die nicht eben für Skrupel berühmten Hollywood-Mogule warnen vor Manipulation. Schnell ist das Gerücht in die Welt gesetzt, George Clooney sei täglich besoffen am Set erschienen und Sandra Bullock habe 20 Kilo zugenommen. Dann sinkt der Kurs, der perfide Urheber der Fama steigt in die Papiere ein - und kassiert, wenn der Film doch gut läuft.

Die Anbieter der Derivate fordern "chinesische Mauern" in den Produktionsfirmen, damit keine jener "Insiderinformationen" nach außen dringen, mit denen Gordon Gekko so erfolgreich handelte. Als solche gelten etwa eine Änderung des Starttermins, die Zahl der Kinos, in denen der Film läuft, oder der Marketingplan. Alkoholkonsum und Gewicht der Hauptdarsteller oder gar Informationen über die künstlerische Qualität eines Films spielen keine Rolle - bewegte Bilder sind halt auch nur Schweinehälften.

Die Filmfirmen fürchten auch, dass Prophezeiungen über einen Flop sich selbst erfüllen: Kinos könnten Filme absetzen, deren Aktien schlecht stehen. Und richtig lustig wird es, wenn Leerverkäufer auf den Misserfolg wetten. Wenn Sie sich demnächst im Kino über das lausige Chargieren eines überbezahlten Stars ärgern, beruhigen Sie sich: Vielleicht hat er nur sein Geld gut angelegt.

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