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Warnung: Einfamilienhäuser haben einen erhöhten Flächen- und Materialverbrauch. 
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Warnung: Einfamilienhäuser haben einen erhöhten Flächen- und Materialverbrauch. 

Times mager

Häuserkampf

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Ein Wort wie „verbieten“ muss in die Überschrift. Auch wenn gar nichts verboten werden soll.

Der Mensch von morgen, besonders der Familienmensch von morgen, wird mit Kind und Kegel verzweifelt in einer Mietskaserne sitzen, in die er von Herrn Hofreiter zwangseingewiesen wurde, um eine vorschriftsgemäß vegane Biosuppe auszulöffeln, die er sich mühsam von der Entschädigung für seinen zwangsenteigneten SUV abgespart hat. Von den Nachbarn – diesen komischen Leuten, die nie ein eigenes Haus besaßen – ganz zu schweigen.

Ja, der Herr Hofreiter will Einfamilienhäuser verbieten. Beziehungsweise: Das will er nicht, er hat nur vor erhöhtem Flächen- und Materialverbrauch gewarnt. Aber spüren Sie nicht auch diesen herrlich kalten Hauch, wenn Sie sich vorstellen, wie ein langhaariger Bayer von den Grünen Sie und Ihre Lieben aus dem mühsam erworbenen Häuschen zerrt? Fällt Ihnen nicht genau in diesem Moment ein, wie idyllisch das Leben ist, das Ihnen gestern noch auf die Nerven ging?

Es war ja in letzter Zeit viel von Verschwörungsmythen die Rede, aber wir müssen da unterscheiden: Wenn Leute auf die Straße rennen und erzählen, Frau Merkel hätte Corona erfunden, um uns alle einzusperren, dann greifen sich mit vollem Recht die meisten an den Kopf. Wenn aber Herr Ziemiak von der CDU zu einem Vorschlag, den es nicht gibt, sagt: „Dieser familienfeindliche Vorschlag ist nun auch im Herzen der Bundes-Grünen angekommen“ – dann ruft niemand nach dem Verfassungsschutz, nicht mal Herr Ziemiak selbst. Komisch.

Nur ganz kurz, sonst wird es am Ende noch rational, zum Anlass der „Debatte“: Im Bezirk Hamburg-Nord haben Grüne und SPD entschieden, in Neubaugebieten keine Einfamilienhäuser mehr auszuweisen. Fertig. Neubaugebiete ohne Einfamilienhäuser gibt es öfter, aber „verbieten“ klingt besser, auch wenn der Herr Hofreiter dem „Spiegel“ sagte, er wolle gar nichts verbieten.

Allerdings musste das Wort „verbieten“ natürlich in die Überschrift, was der „Spiegel“, vom Boulevard grüßt „Bild“, mit einem einfachen Manöver gewährleistete: Er titelte einfach mit seiner eigenen Frage: „Wollen die Grünen Einfamilienhäuser verbieten, Herr Hofreiter?“. Wollen sie nicht, aber egal.

Lobend zu erwähnen ist dagegen die „Neckar-Chronik“, die das Ganze brillant ins Positive wendete: „Hofreiter will größere Häuser“. Dem schließt sich die Neckar-Bevölkerung sicher mehrheitlich an, vorausgesetzt, es handelt sich um größere Einfamilienhäuser. Aber andererseits: „Grüne im Häuserkampf“ („Anzeiger für Burgdorf und Uetze“) regt uns viel angenehmer auf.

Sehen wir die Sache doch mal so: Was kann eine Pandemie uns anhaben, wenn wir schon Herdenimmunität gegen alle möglichen Mutanten von Vernunft erreicht haben?

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