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„Freakadellen“? „Bulletten“?
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„Freakadellen“? „Bulletten“?

Times mager

Hack

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Das waren noch übersichtliche Zeiten, als die einen „Freakadellen“ und die anderen „Bulletten“ aßen.

Vor wenigen Tagen war an dieser Stelle von den Erstbegegnungen eines älteren Herrn mit veganen Fleischimitaten die Rede. Es muss ergänzt werden, dass derselbe Herr sich sogar an einem vollkommen fleischlosen Hamburger versuchte, den er, über sich selbst staunend, mit einigem Genuss verzehrte, während die dazugehörige und mit hervorragenden Geschmacksnerven ausgestattete Dame sich dem pflanzlichen Patty bereits nach dem ersten Bissen verweigerte.

Tage später im Stammlokal gab es die legendären Frikadellen der Köchin N.: saftig-weich innen durch die Beimischung der exakt berechneten Menge an altbackenen Brötchen und Eiern, angenehm krustig außen, und das Entscheidende: Eine Verwechslungsgefahr mit diesen Pattys (andere Hackfleischbrätlinge kennt ja unsere Jugend kaum noch!) besteht bei Köchin N. in keiner Weise. So etwas kann sogar gelingen, wenn Sie statt gemischtem Hack nur Rind verwenden.

Es stimmt schon bedenklich, wie zum Beispiel „Kabel eins“ dem Patty das Wort redet, die Frikadelle implizit diskriminierend: „Original Burger-Patties besteht aus reinem Rinderhackfleisch – nicht gemischtem Hackfleisch! ... Bei Burger-Patties ist weniger mehr! Keine Brötchen oder Semmelbrösel, keine Zwiebeln und erst recht kein Ei! Ans Hackfleisch kommt nichts ran!“ Na und? Außerdem heißt es „bestehen“ und nicht „besteht“.

Ganz ehrlich: Es waren dann doch die besseren Zeiten, als Gerhard Seyfried, die Konfrontationen des Post-68er-Milieus sowohl dokumentierend als auch transzendierend, den Fleischklops zeichnerisch auf zwei Imbissbuden verteilte, eine für „Freakadellen“ und eine für „Bulletten“. Ja, an getrennten Büdchen, aber doch in friedlichster Nachbarschaft rüstete sich die lustig zerstrittene Gesellschaft für den Kampf um die Macht auf der Straße.

Und, Veganer und Veganerinnen weghören: Manche Demo wäre sicher friedlicher verlaufen, wenn diese Form kulinarischer Koexistenz seinerzeit gesetzlich vorgegeben und staatlich subventioniert worden wäre.

Noch heute lässt sich die friedensstiftende Wirkung der Frikadelle Abend für Abend in der Stammkneipe beobachten: Eben noch übellaunig gestresste Paare lächeln einander, die mitgereichten Bratkartoffeln noch im Mund, wie Frischverliebte an, während sie den Hackduft genüsslich durch die Nasenlöcher ziehen.

„Frikadelle“ kommt übrigens aus dem Französischen, abgeleitet von fricandeau („gebratene, gespickte Scheibe Kalbfleisch“) oder aus dem Italienischen von frittadella („Gebratenes“), je nachdem, was Sie im Internet zuerst finden. Und „Stammkneipe“ heißt ja noch lange nicht, dass Sie jeden Tag Fleisch essen müssen.

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